Das Folgende ist eine Spekulation. Aber unsere Spekulationen lagen fast immer richtig. Dieses Mal jedoch hoffen wir selbst mit aller Inbrunst, dass wir daneben liegen. Möglichst völlig und absolut daneben.

Worum geht es? Es geht um die Zeit nach dem ESM. Es geht darum, welches die nächsten Ziele der Euro-Diktatur sein könnten, nachdem die Finanzen unter Kontrolle gebracht wurden: Die Macht über die reale Gewalt. Die Macht über das Militär.
Was ist der Hintergrund und was ist der Anlass dieser Annahme? Den auslösenden Anlass bildet der Artikel im Spiegel: „Italiens Regierung berät über Einsatz der Armee“, doch dazu später. Den Hintergrund bilden zahlreiche Informationspuzzle aus Griechenland, der Eurozone oder den USA, dass Vorbereitungen für den Einsatz des Militärs im jeweiligen Inland getroffen werden. Auch aus Deutschland gab und gibt es in dieser Hinsicht immer neue einzelne Informationsteile (starke Zunahme militärischer „Hilfe“ der Bundeswehr für polizeiliche Aufgaben in den letzten Jahren, Diskussion über Einsatz der Bundeswehr im Inland beim Bundesverfassungsgericht, Flug- und Beobachtungsrechte für aus dem Ausland gesteuerte Drohnen, neues Trainingszentrum für den zivilen Häuserkampf usw.).
Es ist im Gesamtbild ganz eindeutig, dass in allen wesentlichen westlichen Staaten rechtlich und organisatorisch die Voraussetzungen für den Einsatz des Militärs im Innern geschaffen wurden bzw. werden.
Leider sind sich über die Funktion des Militärs für einen Staat nahezu alle Menschen in den westlichen Staaten im Unklaren. Kriege und insbesondere Bürgerkriege im Inneren, die aktives Mitkämpfen und Mitleiden der Breite der Bevölkerung bedeuten, sind im Westen lange Vergangenheit. Militär ist, zumindest für die meisten Deutschen, etwas diffuses. Das Wort „Bundeswehr“ ist ebenso harmlos wie verharmlosend. Dazu noch die Vergangenheit des deutschen Militärs als „Bürgerarmee“ mit Wehrpflichtigen, die bis weit in die 90iger Jahre nie wirklich irgendwo kämpfend im Einsatz war. Obendrauf noch die Nazi-Historie, wegen derer die Ablehnung von Militarismus zum ideologischen Glaubensgebot der deutschen Politik gehört (was wir an sich für gut und richtig halten, jedoch dann ablehnen, wenn es die Wahrnehmung der Realität verzerrt).
Was ist nun die Realität? Die Kernaufgabe von Militär ist Fähigkeit Gewalt auszuüben, letztlich zu töten. Manche sagen dann, eigentlich sei nur die Drohung mit dem Töten gemeint, um nicht wirklich töten zu müssen und deshalb geht es gar nicht wirklich ums Töten – aber das ist Wortspielerei, denn auch so muss das Militär trainiert sein, in Form sein, um zu töten, sonst kann dieses Argument schon logisch nicht aufgehen. „Militärische Ausrüstung“, wie es so schön im Neusprech heißt, ist Kriegsgerät. Der Zweck von Kriegsgerät ist Gewalt, ist letztlich das Töten. Gleiches gilt für „Militärisches Training“, „Strategie“, „Taktik“ und vor allem für die Menschen, die im Militär dienen. Militär ist die ultimative Maßnahme der Machtausübung und Machtdurchsetzung. Wer nicht gehorcht, wird erschossen – und nach Kriegsrecht ist das auch so gewollt. Frei nach Clausewitz: „Das Wesen des Krieges ist Gewalt und jede Mäßigung im Kampf ist unsinnig.“ Dieser Satz gilt letztlich auch und vor allem für den Einsatz des Militärs gegen die eigenen Bürger (und wer an dieser Aussage grundsätzlich zweifelt, der überlege einfach einmal, wie viel unendliche Gewalt von den jeweils „regulären“ Truppen über das jeweils eigene Volk in den Kriegen und Gemetzeln der letzten 60 Jahre gebracht wurde – von Kambodscha über den Tschad, den Kongo, den Nahen Osten, Yugoslawien, Kolumbien, Guatemala, Nazi-Deutschland usw. usf. (nur am Rande bemerkt ist es logisch, dass der Gewaltexzess gegen die eigenen Bürger regelmäßig der fürchterlichste ist).
Das Recht steht in der letzten Analyse nicht über der Gewalt des Militärs. Es ist in der letzten Analyse die Gewalt des Militärs, die überhaupt erst das Recht schafft – und diese Aussage gilt für jedes Militär, unabhängig vom moralischen Gehalt dessen, wofür dieses Militär steht: Steht das Militär für den Kommunismus, dann gibt es einen kommunistischen Staat. Steht das Militär für eine liberale Bürgerlichkeit, dann gibt es einen freiheitlich-bürgerlichen Staat. Steht das Militär für einen neofeudalen Kapitalismus, dann gibt es einen neofeudalen Kapitalstaat.
Deshalb ist das Militär auch die Grundlage und eigentliche Funktion politischer Macht (vgl. auch den „heiligen“ Niklas Luhmann). Der Politiker, der den Einsatz von Gewalt veranlassen kann, ist der wirkliche Machthaber. Deshalb waren über fast die gesamte Geschichte der Menschheit die militärischen Herrscher auch die politischen. Es war im Grunde erst mit der Errungenschaft des „bürgerlichen Militärs“ und der „Gewaltenteilung“ zwischen Exekutive, Judikative und Legislative, dass dieses Prinzip eine neue, humanere Gestalt gefunden hat, die aber am Grundprinzip nichts ändert.
Nach dieser langen Vorrede nun zu dem oben genannten Artikel im Spiegel und was uns an ihm beunruhigt:
1. Der Inhalt als solcher: Das italienische Militär soll zivile Behörden und ein privates Unternehmen schützen. Das Militär wird also in die Öffentlichkeit zur Beherrschung der Bürger geschickt. Der Staat will sich mit Gewalt vor seinen Bürgern schützen.
2. Das Land, um das es geht: Italien ist nicht Bosnien oder Griechenland. Italien ist ein hochentwickeltes, modernes Land. Was in diesem Land funktioniert, das funktioniert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in jedem anderen westlichen Staat bis hin zu den USA.
3. Die Person des italienischen Machthabers: Monti ist kein gewählter Politiker sondern ein Banker und Eurokrat. Wenn das Militär einem solchen Mann gehorcht, dann wird es auch jedem anderen von der Eurokratie ernannten Führer gehorchen, dann wird es letztlich auch auf die eigenen Bürger schießen, wenn es soweit ist. Weiter wird Monti so einen Schritt kaum ohne Abstimmung und Absprache mit seinen Eurokratenfreunden gehen, die sicher genau beobachten werden, wie dieser Test in Italien funktioniert.
4. Das Medium, in dem dieser Artikel steht: Der Spiegel ist das zentrale Medienorgan für den deutschsprachigen Raum. Völlig unabhängig davon, ob die Redakteure des Spiegels sich dessen bewusst sind: Durch ihren neutralen, im Tenor bejahenden Bericht schaffen sie Akzeptanz für den Einsatz von Militär gegen die eigenen Bürger.
5. Die Logik: Wenn man die Euro-Diktatur errichten will, dann wird man sie Schritt um Schritt errichten. Sie wird nicht von heute auf morgen kommen und vor allem nicht in allen Ländern gleichzeitig. Man wird ein Land nach dem anderen kassieren. Man wird den Einsatzradius des Militärs Meter um Meter erweitern – bis, ja bis man am Ziel ist.
6. Die absehbare Verabschiedung des ESM: Mit der Errichtung des ESM ist die Euro-Diktatur in finanzieller Hinsicht Realität. Der ESM ist die Aufhebung der Trennung von Exekutive, Legislative und Judikative. Und mit dem ESM ist die Voraussetzung geschaffen, um diktatorische Regimes in den Nationalstaaten wie Italien zu finanzieren. Zuletzt stellt sich mit der Verabschiedung des ESM für die Euro-Diktatoren die Frage: Was kommt jetzt? Und diese Frage kann ebenso wenig ohne Antwort bleiben, die ein Flugzeug in der Luft still stehen.
Nehmen wir dieses Alles zusammen, so sind wir außerordentlich beunruhigt. In der Logik der Machtergreifung steht nach der Kontrolle über das Geld die Kontrolle über die Macht als solche. Die Macht als solches ist in modernen Gesellschaften die Macht über das Militär.
Wenn nun die Euro-Diktatur anfängt in Italien die Masken fallen zu lassen und wenn zugleich die Öffentlichkeit (und nicht zuletzt das Militär selbst!) darauf eingestimmt wird, dass das damit verwirklichte Ende bürgerlicher Staatlichkeit etwas völlig „normales“ ist, dann befinden wir uns im Endspiel der realen Machtübernahme und Machtausübung durch die Euro-Diktatur.
Die Schachfiguren sind gesetzt.
Die Eröffnungszüge sind schon erfolgt.
Und nun fängt man an, das Militär zur Beherrschung der Bürger auf die Straßen Italiens zu schicken…
Zug um Zug, Feld um Feld werden die Bürger rechtlich, finanziell und nun zuletzt wohl auch materiell unter die Knute der Euro-Junta genommen. Haben wir als Bürger und Volk die Gewalt über die Gewalt verloren, so ist die bürgerliche Gesellschaft selbst am Ende. Dann sind wir wieder in jeder wichtigen Hinsicht im Status der Untertanen angekommen.
Wie eingangs geschrieben, hoffen wir, dass diese Spekulation nicht zutreffend ist. Betrachtet man jedoch die Abläufe der letzten 25 Jahre als Schritte zu einem Ziel, dem Ziel der Schaffung des Euro-Zentralstaats, dann ist die Annahme schlüssig, dass in den nächsten Monaten und Jahren die Euro-Diktatur die militärische Macht an sich reißen wird und sie diese Macht nutzen wird, um die eigenen Bürger zu beherrschen, um eine Euro-Staatlichkeit zu erzwingen, die die Menschen nicht wollen.
Hoffen wir, dass wir uns irren, dass der ESM nicht realisiert wird, dass die Eurozone bald an ihren inneren Widersprüchen bricht, bevor sie die Macht über die Gewalt an sich reißen kann.
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