HartzIV, Euro-Wahnsinn und Entmündigung I
Hartz IV und Euro-Wahnsinn haben einen tiefen inneren Bezug miteinander: Die Entmündigung der Bürger, den Verlust der Autonomie, den Verlust der Würde, Herr oder Herrin über die eigenen Lebensverhältnisse zu sein. Der Knechtung im politischen durch den Euro-Wahnsinn entspricht die Knechtung im privaten durch Hartz IV und beiden gemeinsam zu Grunde liegt die wirtschaftliche Ausbeutung und die Ideologie der Entmündigung zu Gunsten einer extrem kleinen Schicht von Herrschenden. Den meisten Bürgern ist das nicht klar, allein schon deshalb, weil das Thema „Hartz IV“ tabuisiert ist. Über Hartz IV zu sprechen, ist für die so genannte Mittel- und Oberschicht so ähnlich wie über Kot oder Urin zu sprechen: „Das tut man einfach nicht“. Und wenn doch darüber geredet wird, dann öffentlich meist mit dieser „uns betrifft das ja nicht“-Haltung.
Theodor Hosemann: Armut im Vormärz 1840, Wikimedia
Die Wahrheit ist natürlich, dass Hartz IV nur 18 Monate vor jedem abhängig Beschäftigten steht – je nachdem plus Ehepartner und Kinder. Die Wahrheit ist, dass im Privaten, im Ehebett oder auf dem Wohnzimmersofa, wenn die Kinder schon im Bett sind, dann doch über Hartz IV gesprochen wird. Meist ohne das Wort auszusprechen, denn es ist ja „Tabu“, aber hinter der Angst um den Jobverlust, hinter der Furcht vor der Vorgesetzten, hinter der Sorge um das Heim oder die Wohnung steht genau dieses Wort: HARTZ IV: Die Preisgabe aller Vermögensverhältnisse, die Weggabe praktisch aller Vermögenswerte, die existenzielle Auslieferung an ein Behördensystem bis hin zur Verpflichtung zur erzwungenen Arbeit.
18 Monate.
Das ist alles, was für die meisten Angestellten und Arbeiter zwischen einer geordneten Existenz und dem sozialen Absturz steht. Auch für viele der Angestellten in der 100T Euro plus Kategorie.
Was die meisten nun nicht fragen, ist: Warum ist das eigentlich so? Wieso hat dieses Land nicht mehr genügend Geld um seinen hart arbeitenden Bürgern eine echte soziale Absicherung zu ermöglichen?
Und die Ökonomen wissen wohl, dass die Antwort NICHT in mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik liegt. NIE in der Geschichte der Bundesrepublik war die Produktivität pro Arbeitsstunde höher als heute. NIE in der Geschichte der Bundesrepublik wurden so viele Güter produziert und zum großen Teil exportiert. NIE in der Geschichte der Bundesrepublik hat die Wirtschaft dieses Landes mehr Geld gefördert als heute.
Und die Frage ist daher: Was geschieht eigentlich mit dem ganzen Geld, das die Bürger dieses Land in oft härtester, hoch belasteten und hoch belastenden Arbeit erwirtschaften?
Doch bevor wir die Antwort auf diese Frage in einem späteren Beitrag geben, hier als Reblog zwei bewegende Beiträge einer Hartz IV-Betreuerin. Diese Berichte machen die Unmenschlichkeit in einem Teil unserer Gesellschaft schon heute sichtbar. Dass diese Unmenschlichkeit notwendige Folge einer „wahnsinnigen“ Ideologie ist, dass diese Unmenschlichkeit noch um ein Vielfaches gesteigert werden müsste, um den Euro- und die EU zu retten, ist nicht Gegenstand hier – dazu, wie gesagt, kommen wir in einem späteren Beitrag. Auch dazu, dass die Lösung auch dieses Problems in der Wiederherstellung der Mündigkeit der Bürger liegt, also in der politischen Realität einer direkten Demokratie.
Reblog I: Und die Bundesagentur für Arbeit schaut zu! (Link)
„Sehr geehrte Bundesagentur für Arbeit,
wie viele Tote, Geschädigte und geschändete Hartz-IV-Bezieher wollen Sie noch auf Ihr Konto laden? Wie viele Dauerkranke, frustrierte und von subtiler Gehirnwäsche geprägte Mitarbeiter wollen Sie in Ihrem Konstrukt “Jobcentermaschine” durchschleusen?
Fragen, die mich als Jobcenter-Mitarbeiterin bewegen. Fragen, auf die ich keine Antwort erhalte. Und Fragen, die öffentlich diskutiert werden sollten. Das Internet quillt über von Meldungen über verhungerte, selbstmörderische und schwerst gekränkte „Hartzer“. Nicht geringer sind anonyme Aussagen und Berichte über Jobcenter-Mitarbeiter, welche dem Druck, die gewollte Unmenschlichkeit gegenüber den Leistungsberechtigten auszuüben – und der Erfüllung von Quotenkollonen – nicht mehr gewachsen sind. Anonym, aus Angst vor Repressalien und Kündigung durch die Zentralen der Jobcenter oder “Ihrer” Behörde…
Sie starten Kampagnen wie „Ich-bin-gut“, Gelder aus Berlin für Weiterbildungen oder sonstige Maßnahmen werden verteilt, Erwerbslose erhalten in Berlin einen persönlichen Coach, „Lauffaule“ Hartzer in Brandenburg bekommen einen Schrittzähler, Bendorf verlost Langzeitarbeitslose auf dem Weihnachtsmarkt und Nienburg droht mit Leistungskürzungen bei Verweigerung von Nichtraucherkursen.
Absurditäten, die keine Beschreibung benötigen. So werden Gelder verschwendet für Kuriositäten, die unmenschlicher und entwürdigender nicht sein können. Ebenso bekannt und nicht ausgesprochen, werden Fördergelder, wie der Eingliederungszuschuss (EGZ), für Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, die eine kurzfristige Beschäftigung gewährleisten. Aber ebenso, nach dem Auslaufen dieser Bezuschussung, wird oftmals erneute Arbeitslosigkeit finanziert. Allerdings spottet genau dieser Eingliederungszuschuss jeglicher Vernunft, wenn Niedriglohnausbeuter wie Zeitarbeitsfirmen diesen erhalten. Es ist eine, durch die Autorisierung unserer Regierung, geldliche Unterstützung für laufende Armut und Beibehaltung von Sklavenarbeit. Gewollte, geknechtete, erniedrigte und kontinuierliche Bittsteller in den Jobcentern. Subventioniert durch “Ihre” Behörde – und die Bundesregierung. …“ Link zum vollständigen Text.
Reblog II: Offener Brief an die Kolleginnen und Kollegen (Link)
„Und hier fängt meine Kritik an. Es werden Aktionen durchgeführt, wo das eigene Nachdenken unterbleibt. Ja, wir haben Weisungen. Wir haben aber auch einen eigenen Kopf und so hoffe ich ein Herz und ein Gewissen. Und genau dieses suche ich. Warum erzählt ihr mir als Sozialpädagogen, dass nur mit Druck und Geldentzug die Erwerbslosen an den Tisch kommen? Ist es so? Habt ihr nicht im Studium gelernt, dass Druck Gegendruck erzeugt? Das Druck, vor allem wenn die Existenz bedroht ist, zu Ängsten und zu schwersten Depressionen führt. Und gerade die darauffolgende Depression macht es einem Menschen unmöglich zu agieren. Sie verkriechen sich in ihren eigenen vier Wänden. Es fehlt die Kraft zum Aufstehen und Licht in die Seele zu lassen. Dieses Gefühl ist so mächtig, dass sie dann lieber das reduzierte Geld in Kauf nehmen. Ein Teufelskreis entsteht. Allerdings nur beim Betroffenen.
…
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr müsst nicht mit mir einer Meinung sein; aber ich bitte euch inständig, geht in euch, reflektiert euch selbst und versucht nachzuempfinden, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ihr so behandelt werdet. Dieses ist ein Leichtes. Denkt einfach nur darüber nach, wie ihr euch fühlt, wenn ihr in den Jobcentern aufbegehrt und die Folgen daraus. Nicht anders ergeht es den Erwerbslosen. Sie haben ein Recht auf Leben, so wie wir es auch für uns beanspruchen. Es gibt und darf keine Differenzierung zwischen den Schreibtischseiten geben. Auch wir können morgen Betroffene sein. Wir sind die Agierenden, auch wenn es scheint, der Druck kommt aus Berlin oder Nürnberg oder aus den eigenen Reihen. Nein, so ist es nicht! Wir sind für unser Handeln und Gefühle selbst verantwortlich. Wären wir es nicht, wären wir Maschinen. Und ich schlage vor, dass wir am 2. Mai 2013 um 11.55 Uhr eine Schweigeminute einlegen, für alle Erwerbslosen, die wir in Not, in Demütigung und in den Verlust der Menschenwürde getrieben haben. …“ Link zum vollständigen Text.
Entmündigung. Das ist das Thema. Bei Hartz IV genauso wie beim Euro-Wahnsinn.
Und man kann am 2. Mai 2013 um 11.55 Uhr ebenso gut eine Schweigeminute für die schon heute sichtbaren Opfer des Euro-Wahnsinns einlegen. In den Ländern des Südens und in Irland aber auch bei uns – für jene HartzIVler, die einfach ganz normale Mitbürger und in Not sind und für die kein Geld mehr da ist, nachdem die Euro- und Polit-Bonzen sich bedient haben.
ADD: Für mündige Bürger.




