„Der Premier – ein wenig Prophetisch- warnt, das Jahr 2013 könnte ein Vorkriegsjahr werden wie das Jahr 1913, wo alle Menschen an Frieden glaubten, bevor der Krieg kam.“ Jean-Claude Juncker (Link)

Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der damalige Thronfolger Österreich-Ungarns durch einen serbischen Attentäter ermordet. Das war der nichtige Anlass, der zum 1. Weltkrieg führte. Die Beschreibung der damaligen Ereignisse ist unglaublich und spannender Lesestoff zugleich: Das Attentat war eigentlich gescheitert und nur durch aberwitzige Zufälle ist es noch zum Mord gekommen, der zum Tod von Millionen und zum Untergang einer ganzen Lebenswelt führte. Der Tod des Thronfolgers löste in Österreich-Ungarn wenig Trauer aus und zunächst glaubte selbst die österreichisch-ungarische Regierung nicht an eine Mittäterschaft Serbiens. Serbien bedauerte den Anschlag und stritt alle Vorwürfe einer Beteiligung ab.

Es nutzte aber nichts: Österreich wollte den Anlass nutzen um auf dem Balkan aufzuräumen. Es aktivierte seine Verbündeten Deutschland, Rumänien, Bulgarien und die Türkei und stellte Serbien ein äußerst scharfes 48-h-Ultimatum. Serbien willigte selbst auf dieses Ultimatum noch weitestgehend ein, nur an einem Punkt wurde die Formulierung geändert. Österreich aber wollte den Krieg und erklärte diesen am 28. Juli 1914.

Serbien hatte in der Zwischenzeit seinen Verbündeten Russland aktiviert und dieser wiederum Frankreich und Großbritannien. Am Ende stand der 1. Weltkrieg, der von vielen als die eigentliche Weggabelung der Europäischen und auch der Weltgeschichte gesehen wird und in seinen Auswirkungen viel bedeutsamer war als der 2. Weltkrieg.

Heute nun haben wir Syrien. Und ähnlich wie damals der Balkan ist heute der Nahe Osten die ständige Wunde der Weltgesellschaft.

Der Giftgasangriff erfolgte am 21.8.2013. Die US-Regierung hielt sich in allerersten Reaktionen „bedeckt“ (Link), war dann aber schon einen Tag später „überraschend“ sicher, dass der Angriff von der Syrischen Regierung ausging (Link). Am 1.9. sagte der US-Außenminister Kerry, dass ein Angriff auf Syrien unvermeidbar ist (Link). Zuletzt gingen Nachrichten durch die Welt, nach denen Kerry Syrien ein Ultimatum (Krieg oder Unterwerfung) gestellt habe (was aber auch wieder dementiert wird).

Großbritannien hat den USA die Gefolgschaft in den Syrien-Krieg verweigert. So wichtig dieser Umstand, so sollte man ihn doch auch nicht überbewerten, denn letztlich geht es hier um Krieg und militärische Beistandsverpflichtungen. Was sind nun diese Beistandsverpflichtungen?

1. NATO: USA, Kanada und die europäischen Mitgliedsstaaten. Israel ist übrigens seit 2005 faktisch ebenfalls Mitglied der Nato.

2. EU: Der Lissabon-Vertrag enthält eine militärische Beistandsklausel.

3. Der Golf-Kooperationsrat (Saudi-Arabien, Kuweit, Qatar, Bahrein, UAE, Oman).

4. Die Sicherheitspartnerschaft der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (Russland, Kasachstan, Weißrussland und weitere frühere Sowjetrepubliken).

5. Syrien ist in einem Militärbündnis mit Iran.

6. Russland ist nicht formell in einem Militärbündnis mit Syrien, aber unterhält dort eine Marinebasis und hat strategische Interessen (u.a. nicht vollständig von USA / Nato eingekreist zu sein).

7. Russland ist durch die „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit“ mit China militärisch verbündet, allerdings in eher blumigen Worten, die praktisch den militärischen Beistand nicht absolut zwingend machen.

Das entscheidende ist nun folgendes: Es gibt in der internationalen Politik keinen „begrenzten militärischen Schlag“, wie uns die bezahlten Medien erzählen. Es gibt zwischen Staaten entweder Frieden oder Krieg. Wenn nun die USA Syrien angreifen dann passiert nach geltender Lage folgendes:

1. Krieg zwischen Syrien und den USA.

2. Iran tritt auf der Seite Syriens in den Krieg ein.

3. ENTSCHEIDEND: Mit dem Kriegseintritt Irans und entsprechenden Angriffen auf die USA tritt der Bündnisfall ein – auch für Deutschland, auch für Großbritannien.

4. Die Nato wird dann gegen Iran den Bündnisfall erklären (und damit implizit auch gegen Syrien, aber das mag dann schon gar keine Rolle mehr spielen).

Die entscheidende Frage ist dann: Was tut Russland? Russland muss bündnistechnisch keinen Krieg erklären. Aber USA, Nato und voraussichtlich GKR werden Iran und Syrien alleine besiegen. Wenn Iran und Syrien besiegt sind, dann wäre Russland von Alaska über Japan, Iran, Georgien, Türkei, Europa und den Nordpolar vollständig vom „Westen“ eingekreist. Strategisch-konventionell wäre Russland nicht mehr zu verteidigen, insbesondere am offenen „Unterbauch“ in Zentralasien. China wäre noch vollständiger von den Rohstofflieferungen des „Westens“ abhängig, Europa würde vom russischen Erdgas unabhängig.

Russland kann also eigentlich nicht kampflos zusehen, wie Iran und Syrien zu Vasallenstaaten des Westens und der Golfmonarchien werden.

Russland ist mit China verbündet. Wenn China dieses Bündnis achtet, dann wird Russland Syrien und Iran zu verteidigen suchen. Wenn Russland klug ist, und alles spricht dafür, dass Putin klug ist, dann wird Russland nicht den USA oder einem Nato-Staat den Krieg erklären, sondern einen Golfstaat angreifen – und zwar einen ohne US-Militärpräsenz (Qatar zum Beispiel). In der Folge müssten die Golfmonarchien Russland den Krieg erklären. Eine Verwicklung der USA und damit der NATO wäre dann kaum vermeidbar.

Die USA stünde dann vor der Alternative, Russland den Krieg zu erklären oder nicht. Erklärt die USA Russland den Krieg, dann müsste China auf jeden Fall auf der Seite Russlands in den Krieg eintreten. 

Ein guter Spruch sagt: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Die Parallelen zwischen zwischen Sarajevo 1914 und Syrien 2013 sind verstörend. Auch damals wollten viele keinen Krieg. Auch damals war das anstehende Gemetzel für viele unvorstellbar. Und die Welt vor 1914 war in einem Maße „internationalisiert“, das erst nach 1980 wieder erreicht wurde. Trotzdem lag 1914 nur ein Monat zwischen dem Attentat und der ersten Kriegserklärung. Der Giftgasangriff erfolgte am 21.8. Heute ist der 9.9.

Zuletzt ein fürchterliches Zitat von einem fürchterlichen Mann, das eine fürchterliche Welt ziemlich genau auf den Punkt bringt.

„Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg. Warum sollte auch irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, daß er mit heilen Knochen zurückkommt? Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Rußland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar.

Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. (…)

Das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.“

Herman Göring, 1946 (Link)

Und eben deshalb fordern wir direkte Demokratie! Denn es gibt kein besseres Rezept für den ewigen Frieden, als den Menschen selbst die Macht in die Hände zu geben. Gegen alle Diktatoren und gegen alle Anti-Demokraten.

Auf zur Demo:

Flyer_Demo_Stg_4

Kommentare zu: "Wege zum Krieg: Sarajewo 1914 und Syrien 2013." (3)

  1. Bißchen schnell gestrickt, trotz der Analogie zu 2013/2014!
    Zunächst einmal hat die Großloge von Paris, „grand orient“, der „Schwarzen Hand“, einer serbisch-nationalisitischen Geheimorganisation, den Auftrag zur Ermordung Franz-Ferdinands und seiner Ehefrau, geb. Gräfin Chotek, jetzt Herzogin v. Hohenberg-Este, gegeben. Wer in der Großloge in Paris initiierte, daß dies zu geschehen habe, läßt sich mutmaßen, nach dem klassischen „Cui bono“, wem es nützte?
    Franz-Ferd. lebte mit seiner tschech. Frau auf Schlo Konopischt im böhmischen Teil des LAndes, er wollte wegen seiner tschech. Ehefrau auch eine Art Aussöhnung – wie dem Mährischen Ausgleich – mit den Tschechen (Böhmen) erreichen, wollte die tschech. Königstrone, die in Wien beim KAiser lag, nach seiner Intronisation tragen, so wie die ungarische Stephanskrone. Dies hätte jedoch den tschech. Nationalisten, die auf eine Zerschlagung der Donau-Doppelmonarschie setzten, gar nicht gefallen, weil dann der ihnen verhaßte Staat weiter existiert hätte. Auch den Ungarn wäre dies sehr unangenehm gewesen, sie wollten doch als einizige Nation mit der Königskrone bleiben, dies nicht mit den Tschechen teilen. (Nach Eintreffen der Todesnachricht am 28.6.14 in Budapest soll der ungar. Ministerpräsident gesagt haben: „Nicht schade um das Schwein!“
    Der Abt v. Beuron, ein ehem. Prinz v. Württemberg, der im Ersten Weltkrieg noch Marineattachee in Triest bei der Österr.-Ungar. Kriegsmarine war, hat dies 1958 in einem Vortrag an der Uni Tübingen berichtet. Nach dem EWK hat er kath. Theologie studiert und wurde Mönch.
    Er war Zeitzeuge und damit sollte man seiner Aussage größte Bedeutung zumessen.

  2. Wie immer, richtig gesehen!
    Es ist klar, dass der Volkswille/die Volksbefragung von dem Einheitsparteiensystem, weder gefördert, noch, letztlich, umgesetzt werden wird. Kardinalfrage: Wie kommen wir zu unserem Recht und der Direkten Demokratie? Die Direkte Demokratie/Mitbestimmung kann nur außerparlamentarisch aufgebaut werden! Jede Splitterbewegung, mit diesem Ziel, wird vom System unterwandert und still gestellt, so gut es geht! Wenn man Demokrat ist, muss man zugeben, dass das System. äußerlich, die Mehrheit dominiert! Ergo, nur durch Schaffung einer neuen, überparteilichen Endscheidungsplattform, die dem Bürger, als Alternative zur Verfügung stände, könnte man das Experiment Direkte Demokratie lancieren.
    Dies geht, heute, nur, über das Medium Internet.
    Wolln‘ wir es Göring zeigen oder darf Murksel den totalen Krieg ausrufen!? Wir sprechen uns am 23.9. ff !

  3. Norbert Tegge schrieb:

    @felix:
    toller Beitrag. Sehr Empfehlenswert.

    Ich habe seit 2008 vor diesem Szeneario gewarnt. Christoph M Hoerstel, sowie
    Peter Scholl-Latour machten u.a. darauf aufmerksam. Ich wurde als Spinner abgetan.

    Irak, Afghanistan, Sysrien waren und sind ein strategisches Ziel um den noch unabhängigen Iran anzugreifen. Das Ziel könnte tatsächlich eine Reduzierung der Weltbevölkerung sein. Wie die NWO dies schon seit Jahrzehnten betreibt.

    Als ich vor einem Jahrzehnt davon hörte, tat ich dies als Verschwörungstheorie ab. Leider wurde ich durch die Handlungsweisen der Weltmächte gezwungen, meine Auffassung zu revidieren.

    Was können wir tun?

    Leider wenig. Wir könnten diese Kriegsfrage den Parteien stellen. Wir könnten eine Friedenspartei wählen. Aber ändern werden wir es nicht.

    Nur Russland, BRD (sind abhängig vom Russengas, bischen salopp) könnten dies wahrscheinlich mit China. Sicher nicht unter Merkel.

    Eine weltweite Friedensdemo wäre eine Möglichkeit. Ich werde mit Karma Singh am Freitag eine Transmission versuchen…

    Beten ist eine kleine Möglichkeit. Beten für Frieden.

    Leider hat die Menschheit aus der Vergangenheit wenig gelernt.

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