Henry Kissinger spaltet die Gemüter. Seit dem blutigen Putsch der USA gegen die rechtmäßige Regierung Chiles Anfang der siebziger Jahre unter seiner Ägide gilt er mit Grund als einer oder vielleicht der herausragende Vertreter einer finsteren Machtpolitik. Auf der anderen Seite stehen jene, die in ihm einen Garanten der atlantischen Partnerschaft, einen Streiter für die Interessen des „Westens“ und einen Freund der Bundesrepublik sehen.

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Bild: Henry Kissinger. Wikicommons.

Lassen wir dieses alles hier einmal beiseite. Stellen wir einfach mal fest, dass Henry Kissinger ein sehr, sehr intelligenter und in internationalen Dingen erfahrener Mann ist. 

Und in diesem Sinne hat Kissinger einen Gedanken vertreten, der außerordentlich wichtig ist (Link), wenn man den Wahnsinn des Euro, des EU, der totalen Überwachung und sogar des (kommenden?) Syrienkriegs verstehen will. Dieser Gedanke betrifft das Konzept internationaler Politik. Es betrifft die grundlegende Frage, wie wir überhaupt über die Weltpolitik denken, mit welchen Konzepten wir die Welt ordnen.

Die Kernthese Kissinger’s ist, dass die moderne Gestalt internationaler Politik nicht selbstverständlich war oder ist. Das Prinzip der Souveränität der Staaten und das Prinzip internationaler Politik als der Beziehungen unter diesen souveränen Staaten ist eine Erfindung, eine zivilisatorische Errungenschaft Europa’s am Ende des Mittelalters. Die Geburtsstunde der internationalen Politik als ein Interessenausgleich unter souveränen Staaten war der Westfälische Friede, der den 30jährigen Krieg beendete, der rund 30% der Bevölkerung Mitteleuropas auslöschte.

Was war die Erfahrung dieses 30jährigen Krieges? Der 30jährige Krieg war im Kern ein Religionskrieg. Es ging im Kern darum, dass der eine Monarch nicht akzeptieren wollte, dass der andere Monarch seinen Untertanen eine bestimmte Religion verordnete. Und es war ein Krieg „auf Leben und Tod“, genau genommen sogar um das ewige Seelenheil im Verständnis der damaligen Menschen, denn in Religionsfragen kann, wenn man sie zu Ende denkt, immer nur einer wirklich Recht haben.

Das für die damalige Zeit revolutionär neue Prinzip des westfälischen Friedens war, dass die Staaten sich NICHT mehr in die jeweils inneren Angelegenheiten des anderen einmischen, dass Religion und in der Erweiterung alle anderen innenpolitischen Fragen eine innerstaatliche Angelegenheit sind, die das Ausland nichts angehen, derentwegen man eben KEINEN Krieg führt. Diese Trennung von nationaler und internationaler Politik war eine extrem leistungsfähige konzeptionelle Unterscheidung, um das Konfliktpotenzial zwischen den Staaten zu verringern, denn man musste jetzt nicht mehr über Fragen der Religion oder z.B. das Frauenwahlrecht Krieg führen.

Faszinierend und selbst einen Kissinger besorgend ist nun heute, dass genau diese zivilisatorische Leistung, das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Nationen konsequent ausgehöhlt wird. Alle wesentlichen internationalen Organisationen angefangen bei der EU basieren auf dem Gegenteil des Prinzips der Nichteinmischung.  Sie basieren auf dem Prinzip der Einmischung, letztlich dass es Souveränität gar nicht mehr gibt.

Der Internationale Gerichtshof, die UNO, aber auch und vor allem Organisationen wie die NATO, die ursprünglich ein rein reaktives Verteidigungsbündnis war, setzen auf das Prinzip der Einmischung, auf das Prinzip, das die Werte und Regeln dieser Organisationen über jenen der Nationen stehen und die Nationen notfalls mit Gewalt dazu gezwungen werden müssen, diese Regeln und Werte zu respektieren.

Heutige internationale Politik ist also keine Kunst des Interessenausgleichs mehr, sondern ein Kampf jener, die glauben, die reine globale Wahrheit zu besitzen, gegen jene, die abweichende, eigene staatliche oder nationale Regeln oder Werte vertreten.

Und es ist klar, auf welcher Seite alle internationalen Großkonzerne stehen, denn gerade sie haben ein Interesse daran, die Welt als Plantage zu organisieren, die Welt in ein perfektes Spielzeug ihrer Interessen umzuwandeln. Wenn heute die globalen Monsterbanken als „systemrelevant“ gelten, dann nur deshalb, weil die Finanzwelt schon soweit global vereinheitlicht ist, weil es keine Varianz mehr gibt und kaum noch nationale Selbständigkeit in Finanzdingen. Und das gleiche Prinzip, nur noch viel stärker, gilt in der EU und bezüglich des Euro.

Kissinger deutet die tiefere Konsequenz dieser gedanklichen Umstellung nur an: Wenn die ganze globale Politik nach dem Prinzip der Einmischung funktioniert, dann gibt es keine Außenpolitik mehr. Alles ist Innenpolitik – und genau das ist es, was wir in der EU, in der Eurotodeszone und bezüglich Syrien erleben: Alle diese Fragen werden in innenpolitischen Begriffen und Kategorien diskutiert, so als ob die Bürger Griechenlands oder Syriens dem gleichen Recht und der gleichen Moral unterliegen, wie die Bürger Deutschlands.

Soweit könnte nun vielleicht jemand sagen: Na und? Dann ist eben alles Innenpolitik. Was soll’s?

Das ist aber nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, denn die internationale Politik mit dem Prinzip des Respekts vor der Souveränität anderer Staaten wurde für einen bestimmten Zweck erfunden: Um Interessenkonflikte zu reduzieren, letztlich um Krieg zu vermeiden. Wenn nun alles und jedes „Innenpolitik“ ist, wenn die Frage, wie Assad mit seinen Bürgern umgeht, mit welcher Währung die Griechen bezahlen, welche Löhne wir in Deutschland erhalten, welche Religion hier oder da geglaubt wird… wenn dieses Alles und noch viel mehr alles Gegenstand der Welt- oder EU-Innenpolitik ist, dann werden sich auch die Konflikte exponentiell vervielfachen. 

Oder anders gesagt: Die EU-Wahnsinnigen und die Globalisten schaffen, ohne es vielleicht zu wollen, eine Welt des Streits und des Kriegs, denn ihr gedankliches Prinzip der Einmischung führt zu unendlich vielen, in Summe nicht mehr kontrollierbaren Konflikten.

Und es ist komplett illusorisch zu glauben, die USA oder der Westen könnten „ihre“ Sicht der Welt auf Dauer mit Gewalt durchsetzen. Das wäre so, als ob der damalige König von Österreich geglaubt hätte,  er könne dem Rest des damaligen Heiligen Römischen Reiches seinen Glauben aufzwingen.

Das Konzept der Weltpolitik als Weltinnenpolitik, die Aufgabe des Prinzips der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten wird, logisch zu Ende gedacht, zu einem neuen, diesmal globalen 30jährigen Krieg führen. Und dies ist wohlbemerkt keine Frage des Wollens oder der Überzeugung, sondern die zwingende Konsequenz aus einem gedanklichen Prinzip, das zu endlich viel Streit unter den Völkern führt und zu noch viel mehr Konflikten führen wird (zumal die globale Plantagenwirtschaft der Großkonzerne ebenso wie heute schon der Euro auch wirtschaftlich (!) letztlich zu Verarmung führen wird).

Was ist nun aber die zentrale Folgerung aus diesen Überlegungen? Und hier schließt sich der Kreis zu unserem zentralen Anliegen, der Forderung nach direkter Demokratie.

In unserem Konzept der direkten Demokratie gibt es keinen Souverän, keine legitime Macht über dem vereinigten, einstimmigen Wollen einer Gemeinschaft von Menschen. Der Wille eines Volkes ist die Richtschnur für alle internationalen Angelegenheiten. Das oberste und erste Prinzip, worauf sich die Völker unseres Erachtens einigen, ist eben dieses: Das Prinzip der Nichteinmischung. Denn das Recht auf Selbstbestimmung bedingt notwendig den Respekt für das Selbstbestimmungsrecht anderer Völker.

Die EU- und Weltelite, die sich völlig verselbständigt haben, die sich selbst als Herrscher der Welt ansehen, müssen zurück gebunden werden an den Willen der Bürger. Unbedingt. Und ohne jede Einschränkung. Und internationale Verträge, die das Prinzip der Nichteinmischung missachten, sollten für nichtig erklärt werden. 

Direkte Demokratie und der Respekt vor den Lebensentwürfen anderer Menschen, Gruppen und Völker ist der Weg zum Frieden. 

Dieser Weg ist im Übrigen auch der einzige wirklich tragfähige Weg um, im Rahmen des möglichen, tatsächlich dauerhaft internationale und globale Regelungsmechanismen hervorzubringen: Denn nur wenn jedes Volk jederzeit wieder sich diesen Verträgen und Regeln entziehen kann, sind sie legitim und stehen sie hinreichend unter innerem Druck, um tatsächlich den Menschen zu dienen.

Auf zur Demo:

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Kommentare zu: "Von Henry Kissinger lernen oder die wirkliche Veränderung der Weltpolitik" (6)

  1. Knut schrieb:

    Wieder einmal eine klare und ausgezeichnete Bewertung und Analyse. Es geht um Macht und um mehr Macht über den anderen und damit geht es um den großen Konflikt zwischen Gut und Böse, wie es schon im Buch der Bücher steht. Satan hat viele Fratzen in die er schlüpft, um unseren Gehorsam zu Gott zu unterminieren. Dazu gehört auch diese von Henry Kissinger.

  2. goetzvonberlichingen schrieb:

    Wann wird Henry the KISS-inger of the death ..heilig-gesprochen?
    Von mir niemals..:-)
    Schwach der Artikel..Schade.

  3. Karl Murks schrieb:

    Religion wird als Kriegsgrund überschätzt. Der 30-jährige Krieg war nur vordergründig ein Glaubenskrieg, denn gab es damals aufgrund der Kleinen Eiszeit fatale Nahrungsengpässe, so dass man vielmehr ums Überleben bzw. um die restlichen Ressourcen kämpfte. Das zeitlose Kernproblem der Güterverteilung zwischen wem auch immer konnte der Westfälische Friede leider nicht beheben.

    • Insbesondere wird die Güterverteilung knapp, wenn die Bürger weiter ein kolonialistisches,
      monarchistisches, versklavendes Geld- und Machtsystem gut heißen. Wo die:
      – Militärmafia, von A bis Z
      – Bankenmafia. von A bis X
      – überflüssigen Bürokraten, aller Schattierung und System Vasallen, wie:
      – Anwälte
      – Richter
      – Staatsanwälte
      – Gutachter
      – Steuerberater
      – und sonstige Blutsauger des Steuerzahlers
      – Politdarsteller, aller Couleur und Status
      – Erziehungsdarsteller und Lehrstuhlbesetzer
      – Gesundheitsdarsteller und die Pharmalobby
      – Religionsdarsteller und selbsternannter Gottesvertreter
      – die Sozialindustrie
      – Konzernmanipulatoren
      – Lobbyisten, aller Ausprägung
      – Frühstücksdirektoren, aller Schattierungen
      – Media- und Nachrichtenverdreher
      – ……………………………………….
      – hier kann jedermann noch andere Raubritter eintragen, je nach Gusto und Lebenserfahrung
      – + alle Pensionäre, die aus diesem Dschungel, unverhältnismäßige Gelder ziehen!
      und die Wähler treu dumm meinen, dies alles gehört sich so. Solange, wird die Gesellschaft, sich, nicht ändern und die Demokratie und Freiheit vollends zu Grabe getragen.
      Um all den oben, zu Recht zitierten, zu widerstehen und diese kriminelle, in letzter Konsequenz, Vereinigung, auszuhebeln, gehört viel Selbstkritik und Bewußtseinsbereitschaft
      Mut und Zivilcourage.
      Trotz alle dem, sind es nicht mehr als 1%, die 99% verachten und verunglimpfen und zu Untertanen. Befehlsempfänger denegrieren! GEHT ES NOCH!? Muss das sein!? Ohne die 99% wird keinerlei Zukunft machbar sein.
      Alle, die der 1% werden nicht mehr daran gemessen, was sie tun oder taten, sondern an dem, was sie hätten tun können oder müssen!
      Dieser Anspruch heißt Qualität, Mitbestimmung und Neue Direkte Demokratie.

  4. Politik, Wirtschaft und Religion

    1. Die Politik ist der Wirtschaft nicht etwa vor-, sondern nachgeordnet.

    2. Die Machtpolitik kann immer nur mit naiven planwirtschaftlichen Maßnahmen auf die zahlreichen Negativsymptome reagieren, die zwangsläufig aus einer a priori fehlerhaften (kapitalistischen) Marktwirtschaft resultieren.

    3. Der Kern jeder Wirtschaftstheorie ist immer die entsprechende Zinstheorie. Wer die Zinstheorie nicht versteht, versteht gar nichts:

    Der Zins – Mythos und Wahrheit

    „Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten (Politik und Wirtschaft) uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.“

    Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

    Ein von der Masse gewählter Spitzenpolitiker oder ein studierter Wirtschaftsexperte versteht genauso wenig von Volkswirtschaft wie ein Theologe von der Heiligen Schrift. So wie ein Theologe kein Theologe mehr sein kann, wenn er die Heilige Schrift verstanden hat, werden die Machtpolitik und vorgebliche Wirtschaftsexperten nicht weiter nachgefragt, sobald die Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) befreit ist. Und welcher Kindskopf will sich schon gern überflüssig machen?

    Die Rückkehr ins Paradies

  5. Student schrieb:

    Es gibt noch mehr Diskussionsbedarf um Kissinger:

    In Bonn wird wohl eine Henry Kissinger Professur für Völkerrecht (!!) etabliert. Finanziert zum großen Teil vom Verteidigungsministerium. Wer sich näher damit befassen will findet hier Informationen:

    https://www.facebook.com/kissingerevent

    http://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Kissinger#Stiftungsprofessur_an_der_Universit.C3.A4t_Bonn

    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39896/1.html

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