Heute haben wir einen neuen Begriff erlernt: Extremismus der Mitte. Verwendet wird er in einem Text von „linksunten“ über die Partei „Alternative für Deutschland“ (Link). Die entsprechende Passage lautet:

„Es lässt sich feststellen, dass die AfD was ihr Personal angeht nach Rechtsaußen nicht ganz dicht ist. Eine Kritik der AfD darf sich aber nicht nur an den Rechten in ihren Reihen festmachen. Die Kritik an der AfD sollte auch eine inhaltliche sein. So wirbt die Partei auf ihrer Internetseite für „ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild“, die „ungeordnete Zuwanderung in unsere Sozialsysteme“ müsse „unbedingt unterbunden werden“. Mit dem Neonazismus der NPD/JN hat das alles nicht viel zu tun, mit dem „Extremismus der Mitte“ schon sehr viel mehr. Es geht um den Kosten-Nutzen-Rassismus, der auch von den anderen Parteien vertreten wird. Dem Standort Deutschland nützliche Einwanderer dürfen rein, alle anderen müssen draußen bleiben. Damit ist die AfD auch die wahr gewordene Sarrazin-Partei, allerdings bisher ohne dessen Biologismus. Das die rassistische Homepage „www.pro-sarrazin.net“ jetzt unmittelbar zur Internetseite der „Alternative für Deutschland“ führt ist da nur logisch und folgerichtig. Die AfD ist nur die Speerspitze eines gesamtgesellschaftlichen Wohlstandschauvinismus, der schnell in einen aggressiveren Sozialdarwinismus umschlagen kann.“

Lassen wir jetzt einmal das sehr schwierige Thema Einwanderungspolitik außen vor und konzentrieren uns auf die generelle These hinter dem Begriff „Extremismus der Mitte“. Diese generelle These lautet, dass die Anwendung von Kosten-Nutzen-Rechnungen die Brücke zu einer neuen Form des Nazismus und Nationalsozialismus ist.

Und diese Aussage ist schon bemerkenswert, denn hinter dem Kosten-Nutzen-Modell steht ja nicht weniger als die ethische Theorie des Utilitarismus, die zweifelsohne zu den wichtigsten und einflussreichsten ethischen Theorien überhaupt gehört – wahrscheinlich praktisch und global sogar einflussreicher als das christliche „Liebe Deinen Nächsten“-Gebot. Sicher, der Utilitarismus wird mit guten Gründen kritisiert – doch deshalb diesen gedanklichen Ansatz als Brücke zum Nationalsozialismus anzusehen, ist aberwitzig. Und zwar allein schon deshalb, weil das Denken in Kosten-Nutzen-Rechnungen sozusagen zur DNA des Menschen gehört. Wir alle machen jeden Tag ständig Kosten-Nutzen-Entscheidungen: Welchen Film schauen wir an? Den der uns am meisten Freude = Nutzen bringt. Welches Kleid kaufen wir? Jenes, das uns am besten gefällt = den meisten Nutzen erbringt. Usw.

Es ist absolut grotesk, diese fundamentale menschliche Methode der Entscheidungsfindung als neuen „Extremismus der Mitte“ zu bezeichnen. Tatsächlich wendet jeder Mensch, auch die Autoren von linksunten, Kosten-Nutzen-Rechnungen tagtäglich an, egal welche Kultur, egal welche Sprache, egal welche politische Ausrichtung. Wenn der Ansatz von linksunten richtig wäre, dann sind effektiv alle Menschen auf diesem Planeten Repräsentanten des Extremismus des Mitte oder kurz: Nazis.

Das eigentlich Schlimme am Begriff des „Extremismus der Mitte“ ist: Jede und jeder ist nach diesem Begriff ein potenzieller Extremist, Rechtsradikaler. Mit diesem Begriff kann jede und jeder zum Nazi gestempelt werden:

– Entscheidungen über Organspenden nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip? Du Nazi (weil womöglich Mensch A das Organ erhält und Mensch B nicht, und das ist ja Euthanasie)!

– Entscheidungen über den Bau von Umgehungsstraßen? Du Nazi (weil womöglich nach Abwägung aller Vor- (Nutzen) und Nachteile (Kosten) durch ein Naturschutzgebiet gebaut wird)!

– Entscheidungen über den Gang ins Kino? Du Nazi (weil womöglich der Action-Film mit viel Gewalt mehr Spaß (Nutzen) bringt als der politisch-korrekte Film nebenan)!

– Entscheidungen über den Kauf eines Kleides? Du Nazi (weil womöglich das nicht-sozial-zertifizierte Kleid aus Bangladesh hübscher ist als die anderen)!

Usw.

Der Begriff „Extremismus der Mitte“ ist ein extrem bösartiger, gefährlicher Begriff. Es ist das Analogon zu „Jeder könnte ein Jude sein“ im wirklichen Nationalsozialismus. Er unterwirft jeden Menschen einer öffentlich-politischen Verurteilung durch eine selbsternannte moralische Oberhoheit. „Extremismus der Mitte“ steht für eine Diktatur des Geistes.

Und: „Extremismus der Mitte“ ist das Gegenteil all dessen, wofür auch und gerade die linke, sozialdemokratische und sozialistische Tradition steht. Denn auch und gerade „linke“ Ziele und Werte lassen sich ebenso gut utilitaristisch begründen (also mit Kosten-Nutzen-Überlegungen) wie kantisch oder anders. Der Begriff „Extremismus der Mitte“ ist ein anti-Humanismus, der tatsächlich selbst ein Faschismus im ursprünglichen Wortsinne ist: Ein Kampfbund gegen die Anderen.

Und dass nun ausgerechnet „linksunten“ faschistoid ist, das wiederum finden wir dann doch ironisch.

Wir jedenfalls stehen dafür, dass jeder Mensch das gleiche Recht hat. Dass jeder Mensch nach seiner Facon glücklich werden soll. Dass jeder Mensch, unabhängig von Rasse oder politischer Ausrichtung, Reichtum oder Armut, exakt und genau: Eine einzige Stimme hat. Und dass in direkter Demokratie über die wesentlichen Fragen der Gesellschaft entschieden wird. 

Und diese Vision lässt sich nebenbei bemerkt kantisch ebenso gut wie utilitaristisch als die ethisch richtige und ausgezeichnete begründen.

File:Jeremy Bentham by Henry William Pickersgill (cropped).jpg

Bild: Jeremy Bentham, Begründer des Utilitarismus, Wikicommons. 

Ansonsten gilt: Auf zur Demo (Link)!

Demo zum 1. Jahrestag des ESM-Fehlurteils:

Gegen Euro-Wahnsinn, Überwachungsstaat und EU-Diktatur!

Für Grundgesetz, Bürgerrechte und direkte Demokratie!

Samstag, den 7. September 2013

in Stuttgart (genauer Ort wird noch bekannt gegeben)

ab voraussichtlich 15.00 Uhr.

Kommentare zu: "Extremismus der Mitte: Sind wir jetzt alle Nazis?" (8)

  1. Franz schrieb:

    Ja natürlich „Kosten-Nutzen“. Bestelle ich mühsam meinen Acker, ggf mühsam mit harter körperlicher Arbeit, dann gehört das Ergebnis dieser Saat mir. Wer es streitig machen will, ist ein Räuber. Ebenso ist es mit sozialen Leistungen: Wer 40 Jahre gearbeit hat und in die Sozialkassen einbezahlt hat, muss entsprechend belohnt werden. Die Sozialkassen zweckzuenteignen ist Raub, nicht Anderes. Humanitäre Hilfe hingegen ist wieder etwas Anderes.
    Extremismus der Mitte? Lächerlich, die Absicht dahinter von denen die das kreieren wollen, das ist Extremismus, ja beabsichtigter Raub, nichts Anderes.
    Wäre ja schön wir lebten im Paradies und bräuchten nur die Früchte zu ernten. Das will Alles in dieser materiellen Welt erarbeitet sein, von Nichts kommt nichts, und wer sollte sich dann noch anstrengen wollen?

  2. Victor Zander schrieb:

    Aber wek+lbstverständlich gibt es eien Extremismus der Mitte, den wir tagtäglich und im Umgang mit dem kritischen Bürger bei den liberalen Vertretern der Berliner Blockparteien und ihrer Vorsprecher in Brüssel bestens beobachten können.Auch der ESM und die EZB sind Ergebnisse dieses liberalen Extremismis der Mitte. Die liberalen Medien sind nur aus diesem Extremismus heraus verständlich. Die Ausbeutung der Menschen in dieser Gesellschaft und die dann folgende Psychiatrisierung ist ein Hinweis auf diesen liberalen Extremismus der Mitte.
    Es gibt also nicht nur einen Extremismus von Links oder von Rechts. Wir müssen nur begreifen, wer in diesem jetzigen System die Wortgewalt inne hat.

  3. Kain Goldman-Sache schrieb:

    Ging nicht mal in Deutschland der Begriff „Tyrannei der Massen um“?
    Aber na ja, die Linksunten-RAF-Sympathisanten operieren so ähnlich wie Göring.
    („Wer Jude ist, bestimme ich.“)
    Selbstgerechte, gierige Egomanen, das sind diese Leute, die wahren Nazis von heute, die keine Meinung außer ihrer eigenen akzeptieren können und daher die Demokratie, die von Pluralismus lebt, ablehnen. Wenn die AfD in die Parlamente einzieht, kann hoffentlich Druck gemacht werden, dass der Linksfaschismus mehr in Schulen und öffentlich-rechtlichen Medien thematisiert wird. Die mörderische Ideologie des Sozialismus hat, glaube ich, über 250 Millionen Menschen das Leben gekostet. Die Hetzer gegen die AfD sind einfach die Mauerschützen unserer Zeit.

  4. bundesregierung und bundestag gleichen eher einem tollhaus als dem wofür sie einst geschaffen wurden.der finanzminister trägt eine milliarde nach der anderen aus deutschland heraus um zu retten was nicht zu retten ist.Der bundestag verabschiedet gesetze zu hoffierung der schwulen, obwohl die ein ständiger bevölkerungsrückgang zu
    verzeichnen ist.system kritiker werden den Rechten zugeordnet.aber kaum jemand stört sich daran.

  5. „Wir jedenfalls stehen dafür, dass jeder Mensch das gleiche Recht hat. Dass jeder Mensch nach seiner Facon glücklich werden soll. Dass jeder Mensch, unabhängig von Rasse oder politischer Ausrichtung, Reichtum oder Armut, exakt und genau: Eine einzige Stimme hat. Und dass in direkter Demokratie über die wesentlichen Fragen der Gesellschaft entschieden wird“. 

    In der heilen Welt der Demokratie mag dies richtig gedacht sein. In der Welt der heutigen Demokratur, aber nicht mehr! One-Man-One-Vote ist zum Instrument der Manipulation geworden, ab dem Tag, an dem die Masse der Bürger und Wähler den Überblick über das, was Demokratie darstellt aus den Augen verloren hat! Es hilft nichts. Das Volk hat die Demokratie nicht mehr im Griff und damit die sogenannte Macht. Wie ein Lehrer sich einbringt und sein Wissen/Macht an seine Schüler abgibt, um diese von sich zu „befreien“, wie ein Elternpaar alles an die Kinder weitergibt, um diese unabhängig/selbstständig zu machen, so MUSS der Politiker seinen Wählern, seinen Vollmachtgebern die Macht erläutern und an die Hand legen, damit diese mitbestimmen und mitentscheiden könnten. Dieser Auftrag, dieses Verständnis und diese Nähe zum Wähler ist, vollkommen, verloren gegangen, mit der Zeit und auch unter dem Einfluss vielerlei Interessen, insbesondere multinationaler Art, der Kooperationen, z.B.. Es ist nicht die Demokratiemüdigkeit, allein, zu bemängeln,sondern der Graben zwischen dem Volk und den Eliten, der sich aufgetan hat. Der Wunsch nach Direkter Demokratie hat mit nichts anderem zu tun, als mit der Unzufriedenheit falsch regiert/vertreten zu sein! Von Links, über die Mitte, bis Rechts fehlt allen Politdarsteller die Demut dies zu erkennen und dem Volk wurde das Selbstverständnis abgewöhnt den Anspruch dessen, was oben steht, auch kompromisslos einzufordern! Die parlamentarische Demokratie hat sich mit der Zeit verkauft und nichts weiter. Das Schuldgeldsystem hat sich, wie immer, selbst, zur Implosion extrapoliert!

    Ohne den Imperativ der Qualität kommt diese Menschheit, diese Gesellschaft, mit Sicherheit, nicht weiter, als bis zur nächsten Diktatur, die, siehe da, schon Realität ist!!!

    Wenn die Wählerschaft die Kosten/Nutzen Frage nicht stellt, OHNE, damit, ihre menschlichen Maximen an den Nagel zu hängen, wird sie nirgends ankommen. Die Perversion des Geldsystems muss als erste Unmenschlichkeit erkannt und demontiert werden. Die Perversion der Datenüberwachung und implizierter Diktatur, als zweite. Der Militarismus und andere Oligarchien der Weltwirtschaft müssen dienen und nicht dienen lassen! Die richtige Einschätzung und Anwendung von Politik wird ein Weiteres bewirken. Dafür, aber, müssen wir den Kardinalfehler der Systems erkennen lernen. Subvention heißt, lange, nicht fördern, sondern eher abhängig, gefügig, unfrei machen.
    One-Man-One-Vote, ist, aber, auch eine Subvention und deshalb untauglich das zu erreichen, was oben so sehr gewünscht ist! ES sei denn, alle Bürger würden bedingungslos gleich an dem gleichen Strang ziehen. Dies wird aber nicht gewünscht! Weder von den Regierungen, noch von den Eliten. Warum!? Diese müssten sich selbst entmachten, wie oben beschrieben! Evolution oder Revolution. Wir sind für die Mehrstimmen Demokratie, in der Direkten Mitbestimmung, damit die Situation gedreht wird, jetzt, bevor Big Brother, vollends, übernimmt. Der von Links, bis Rechts!

  6. Dr.Gabriela Moock schrieb:

    Lieber Autor oder liebe Autoren,

    vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel. Er bringt es genau auf den Punkt: es kann nicht sein, daß in Deutschland eine linke Gedankenpolizei die moralische Alleinvertretung für sich beansprucht und alles, was in ihren Augen nicht opportun ist, als „Extremismus“ bezeichnet und versucht, in die rechte Ecke zu stellen. Dagegen muss sich die bürgerliche Mitte wehren!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr.Gabriela Moock

    Bensheim

    PS: Grüße auch an die Transaltlantischen Mitleser!

  7. Selbstgedrehte Raservideos kosten den Führerschein. Dies hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen einem 25-Jährigen klargemacht. Der Mann hatte sich regelmäßig Sportwagen eines schwäbischen Herstellers geliehen und rasante Spritztouren unternommen, die er in selbstgedrehten Videos festhielt.

  8. Wir hatten darum gebeten, die Kommentarfunktion zur Diskussion des Artikelthemas zu nutzen. Dafür ist die Kommentarfunktion laut Netiquette vorgesehen. Danke, die Redaktion/fk.

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