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Aus dem Film: Die Matrix. Wikicommons.

Es ist eine interessante Sache, wenn man als engagierter und informierter Gegner des Euro-Wahnsinns nach Monaten das erste Mal wieder eine gedruckte Zeitung liest. Die Diskrepanz zwischen unserem Informationsstand, unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit, und jenem Bild, das in diesen Zeitungen geschaffen wird, ist erschreckend. Dabei geht es auch um die tatsächlichen Informationen, die vermittelt werden, noch wichtiger aber ist das Klima, der Geist, die selbstverständlichen Überzeugungen, die da vermittelt werden.

Doch der Reihe nach.

Heute morgen am Flughafen. Geld für die offizielle Propaganda gebe ich schon lange nicht mehr aus. Und schon seit Monaten habe ich keine Zeitung mehr gelesen. Erstens, weil es keinen Informationsgewinn bringt. Zweitens, weil man sich danach wie Gehirngewaschen fühlt.

Doch das letzte Mal war schon längere Zeit her. Und auf dem Flughafen bekommt man die Zeitungen umsonst. Und irgendwie, wohl aus Sentimentalität, griff ich zum Handelsblatt, zu den Stuttgarter Nachrichten, zu Auto-Bild und zu Computer-Bild.

Und es sind unterschiedliche Bilder, die diese Zeitungen in mir erzeugt haben, die aber alle die gleiche Wirkung hatten: Ein Gefühl der Irrealität.

– Handelsblatt

Im Handelsblatt war der Euro, die EZB und „Europa“ das große Thema. Auf mehreren Seiten ging es um Merkel, Draghi und sogar dieser Herr von den Familienunternehmern, angeblich ja ein Euro-Skeptiker (was für ein Witz!),  kam zu Wort. Eine bunte Mischung von Themen, Formaten (Artikel, Kommentare, Interviews, Bilder) alle letztlich zum gleichen Themenkomplex. Sehr viele Perspektiven, von Politik über Zentralbanken bis Unternehmen und Unternehmensverbänden.

Und was mich verstört hat: Durch die Bank diese Euro-Gläubigkeit. Eine ganz perfide, selbstverständliche, in allen Artikeln einfließende „DER EURO IST ALTERNATIVLOS. DER EURO IST RICHTIG. DER EURO IST DAS HEIL.“-Haltung. Gespickt mit halbgaren Beweisen und Argumenten und das aus vielen argumentativen Richtungen (ich vermute, in der Hauspostille des Vatikans wird mehr Kritik an der Katholischen Kirche zugelassen, als in dieser Ausgabe am Euro im Handelsblatt).

Und ich kann nur für mich selbst sprechen, aber es fühlte sich an, wie wenn Neo mit der Matrix verbunden wurde, dieses Gefühl, in eine total konstruierte, aber auch total überzeugende, echte Wirklichkeit einzutreten, in eine extrem kunstvolle, elaborierte Scheinwirklichkeit.

– Stuttgarter Nachrichten

Die zweite Zeitung waren die Stuttgarter Nachrichten. Für jene, die nicht aus Stuttgart kommen: Das ist die zweite große Zeitung am Ort, die vom gleichen Mutterhaus wie die Stuttgarter Zeitung veröffentlicht wird und inhaltlich sehr ähnlich ist.

Die Lektüre dieser Zeitung, oder besser: Das virtuelle Erlebnis der Wahrnehmung dieses Medienprodukts, war bei genauer Betrachtung noch verstörender als jene des Handelsblatts. Warum? Weil es in dieser Zeitung keine Probleme gibt. Jedenfalls keine echten. Es geht um so Fragen, wie das Splitting für Homosexuelle oder ob ein Haus in der Innenstadt abgerissen werden soll.

Ernsthafte, kritische Berichterstattung? Begleitung und Vorbereitung auf das unausweislich üble Ende des Euro-Wahnsinns? Nichts. Es gibt das Thema Euro, EZB, „Europa“ in dieser Ausgabe gar nicht. Sicher, das mag an anderen Tagen anders sein, und vielleicht habe ich auch nicht alles so genau gelesen, jedoch ganz sicher ist: Bei mir blieb der Eindruck einer total irrelevanten Darstellung der Wirklichkeit. „Hey Leute, schaut alle her! Hier hat ein Vogel auf die Straße geschiss…!“ Und das auf 20 Seiten.

Beim Handelsblatt hatte man wenigstens noch etwas, an dem man sich abarbeiten konnte. Bei den Stuttgarter Nachrichten hatte man… gar nichts. Nur die klebrige Süße unwichtigen blablablas.

– Auto-Bild und Computer-Bild

Solchermaßen bedient, wandte ich mich zwei Print-Produkten zu, von denen ich annahm, dass man bei diesen nun wirklich kein Matrix-Gefühl bekommen kann. Und ich gestehe: Beim Arzt oder anderswo blättere ich gerne mal in der Auto-Bild. Doch was sehe ich in dieser Ausgabe? Auf dem Titelblatt unten rechts ein Hinweis auf irgendeinen „Nein-zu-Nazis“-Artikel, den ich dann auch gelesen habe. Der Artikel war durchaus interessant, aber die Frage blieb: Was soll so ein Artikel in einer Zeitung wie der Auto-Bild, die man wegen der Technik kauft bzw. liest? Ich bin kein regelmäßiger Leser der Auto-Bild, aber ich kann mich nicht erinnern, dass diese Zeitung jemals vorher über Rechts-, Links- oder Euro-Extremisten geschrieben hätte.

Bei der Computer-Bild wiederum war es die Abwesenheit des Themas „Überwachung“, das mich erschreckte. Alle Welt redet von der Totalüberwachung des Internet durch die US- und EU-Diktatoren und in der wohl auflagenstärksten deutschen Computer-Zeitschrift? Gibt es das Thema einfach überhaupt nicht. Nix. Oder ich habe es übersehen. Stattdessen seitenlang Text über Urlaubsportale…

Tja. Das war der Moment in der Matrix. Bald danach hatte ich wieder Internetzugang. Und war wieder in der Wirklichkeit. Wieder bei den unabhängigen Medien und Bloggern. Und da wurde mir doch ein wenig warm ums Herz, so wie wenn man im Winter aus dem Kalten ins warme Zuhause kommt.

Und in dieser Wirklichkeit geht unser Widerstand weiter.

Zum Beispiel auf unserer Mahnwache gegen den ESM vor dem Bundesverfassungsgericht am Dienstag (Link)!

Kommentare zu: "Ein Moment in der Matrix der veröffentlichten Meinung" (12)

  1. Ich denke seit langer Zeit wöchentlich mindestens 1 x ungewollt ein den Film Matrix 1 (die anderen Teile kann man vergessen). Und an „Ohne Limit (Limitless)“ mit ausgetauschten Werten und Zielen.
    Beide Visualisierungen halten mich wach und spenden Trost.

    Man sehe und höre dazu bitte auch den weitgehend zeitlosen, fast alternativlosen Georg Schramm alias Lothar Dombrowski Occupy Frankfurt 12.11.2011:

  2. Ich habe schon seit 8 Jahren, das Gefühl, in der Matrix zu sein….Es passiert soviel in De und der EU und von den öffentlichen Medien hört man nur blabla, nichts oder es wird schön gelogen……

  3. Dieser Artikel sollte einen jeden vernünftigen Leser und eine jede vernünftige Leserin bestätigen oder zumindest sehr, sehr nachdenklich stimmen. Auch ich selbst kaufe und lese keine Zeitung mehr. Nicht einmal mehr unsere hiesige „Örtliche“, und zum Beispiel auch keine „Frankfurter Allgemeine“ mehr, von der es einmal hiess, sie sei „ausgewogen“. Warum nicht ? Weil dort bei genauem Hinschauen in wichtigen und entscheidenden Dingen entweder unangebracht beschönigend oder vollkommen obszön berichtet wird. Das habe ich unlängst zwei Mal „am eigenen Leibe“ erfahren, als über meine Person in einem völlig einseitigen Lichte berichtet und die Wahrheit verschwiegen wurde.
    Nur weiter so, „Presse“ in Deutschland (und anderswo) !! –
    Post Scriptum:
    Anmerkung für die Redaktion:
    Gut !
    Gunther Marko
    D-72172 Sulz am Neckar, Samstag, 8. Juni 2013, 7 Uhr 50.

  4. urmehl schrieb:

    diesen eben geschilderten eindruck von“ stuttgarter,die welt“ usw. erhält man von allen anderen wurschtblättern ebenfalls und muß erkennen,daß allesamt von der politik der eurodiktatoren längst korrumpiert sind. jeder von all den schreiberlingen will seinen posten behalten und schreibt nur das was gewünscht wird.siehe auch polizeieinsatz bei der frankfurter demo.

  5. Mit Ihrem Artikel rennen Sie bei mir offene Türen ein. Was unternehmen Sie gegen die Zwangsfinanzierung der Matrix durch den Rundfunkbeitrag für das Zwangsfinanzierte Deutsche Fernsehen?

  6. […] ADD: Ein Moment in der Matrix der veröffentlichten Meinung Wenn man als aufgeklärter Mensch mit einem wachen Verstand längere Zeit keine Zeitung mehr liest […]

  7. Werner schrieb:

    Und die ADD vertrödelt die Zeit und kan sich immer noch nicht zu einer DEMONSTRATION durchringen . Überlässt schlicht und einfach den unsäglich schlechten Massenmedien das Feld . Pfui !

    Werner

  8. […] ganz selten verlinke ich auf andere Artikel mit Meinungen und Ansichten, aber diesen Artikel https://eurodemostuttgart.wordpress.com/2013/06/07/ein-moment-in-der-matrix-der-veroffentlichten-mein… halte ich für so wertvoll, daß ich ihn hervorhebe und als Anlaß für eine kurze Besprechung […]

  9. goetzvonberlichingen schrieb:

    Ein Bericht denn ich als Internetsurfer, Kommentator bei diversen Blogs voll und ganz unterstreichen kann. Zeitungen lese ich immer weniger…. und selbst die Mittwochs-Werbe-Zeitungen im Köln-Bonner-Raum sowie „Motorwelt“ vom ADAC immer seltener. Warum?
    Selbst in diesen Blättern riecht man den Lobbyismus und die Nähe zu Rotariern/Lions ..eben den Unterguppen der Logen.
    Nicht ohne Grund verlieren die Mainstream- Printmedien an Umsatzahlen!
    Wenn es die Zwangsabgabe für den Logenfunk und die Jubel-Mattscheibe nicht gäbe, wäre es genauso…..

    Das „neue-deutsch-Volk“ ist Multikulti, hängt vor der Glotze, läßt sich verdummen..und liest eben nicht mehr.Weder Zeitung noch Bücher!
    Und ins Netz geht diese Grupppe „deutsch“ eher um sich Pornos oder anderen Schwachsinn anszusehen…
    Von wegen ..Schwachsinn: Sich einfach einen nachmittag auf einem Flohmarkt in einem Präkariatsstädchen umsehen:
    Multikuti ist(auf den Flohmärkten) überall..
    Wer lange nicht mehr auf einem Flohmarkt war…sei es um sich umzusehen..oder umTrödel verkaufen…
    >Es hat sich viel geändert….
    Bücher gehen kaum noch weg, kleine Möbel auch nicht…
    eigentlich nur 1-10€ -Mist…Schrott halt.
    ++++
    Man will billig, billig…..
    Sinti, Roma, Bulgaren, Russen, Polen, Afrikaner, moderne Türken, orthodoxe Türken, Deutsch-Proleten, degenerierte …“deutsch“-Brd-ler—fettes Pxxxk…
    und dumme Gesichter…
    Nur max. 10% normale Deutsche..
    wobei die Afrikaner noch am freundlichsten+ angenehmsten waren..

    Es gibt kein Deutschland mehr…
    Sondern Multikult-Land….. oder auch Mutti-Kult-Land….

  10. Tja, da kann ich nur folgendes sagen: „Welcome to the real world!“

  11. Karl Eduard schrieb:

    Die Welt der Blogger ist nicht die Wirklichkeit. Nur eine andere Art von Matrix. Die Wirklichkeit ist das, womit sich jeder tagtäglich real herumschlägt, sie findet weder in Zeitungen noch in Blogs statt.

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