Bereits am 13. April veröffentlichten die DWN eine recht umfassende Analyse zur möglichen Beziehung zwischen Merkel und der AfD. Dieser Artikel verdient mehr Aufmerksamkeit, da er damals ein wenig im Medienlärm unterging.

Die zentralen Passagen des Artikels „Plan B: Wie Angela Merkel den Ausstieg aus dem Euro plant“ sind (Link zum ganzen Artikel):

„Für Merkel ist das fast unerheblich: Sie kann allen in Europa nun eine neue Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte vom Politiker, der leider, leider gezwungen ist, auf sein Volk zu hören. Sie kann überall – von Brüssel bis Rom – sagen: „Ich würde ja im Euro bleiben, ganz klar. Aber die Deutschen wollen raus – und es wäre für Europa schlecht, wenn Deutschland gespalten ist.“

Weiter:

„Die „Alternative für Deutschland“ kann also für Merkel das berühmte Feigenblatt sein, mit dem am Ende der schwarze Peter bei den anderen landet. Merkel kann sich aus dem Euro verabschieden, mit dicken Krokodilstränen, weil sie sagen kann: Die Mehrheiten in Deutschland haben sich verschoben.

Mit der „Alternative für Deutschland“ hat Merkel auch innenpolitisch die angenehmste Form der Euro-Gegner, die sie sich wünschen kann. Wirklich gefährlich wäre für sie eine massive linke Anti-Euro-Bewegung. Eine Gruppe, wie man sie kurz bei Occupy Wall Street gesehen hat. Oder wie sie Attac einmal war.

Wirklich gefährlich wäre für Merkel eine Fundamental-Opposition, die nicht nur den Euro, sondern den internationalen Finanz-Kapitalismus in Frage stellt. Eine Gruppe, die den Euro nicht über makroökonomische Expertise, sondern über massiven Protest auf der Straße hinwegfegen will.

Wirklich gefährlich wäre für Merkel, wenn die Deutschen massenweise auf die Straße gingen.

Solange sich die Euro-Unzufriedenen gesittet im Berliner Hotel Interconti treffen, wo die AfD am Sonntag offiziell gegründet wird, solange kann Merkel die Euro-Gegner in ihren Plan integrieren.

Die Protagonisten und die Kandidaten der AfD sind, wie man aus den Bewerbungen auf der Website der Partei sehen kann, bis ins Mark (Knochen-Mark) bürgerlich. Sie sind freiheitsliebend, wollen weniger Staat, mehr Eigeninitiative, keine Verschuldung, mehr Leistung.“

Weiter:

„Ob und in welchem Ausmaß die Gründung der AfD von der CDU mitbetrieben wurde, ist schwer zu sagen. Tatsache ist, dass es enge Verflechtungen mit CDU-nahen Lobby-Gruppen gibt. Dazu gehört unter anderem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, der viele Repräsentanten der AfD zugerechnet werden können. Auch Vertreter der CDU-Mittelstands-Vereinigung sympathisieren mit der AfD. Denn anders als die internationalen Konzerne ist der deutsche Mittelstand traditionell euro-skeptisch.

Auch hier gibt es inhaltliche Überschneidungen mit der Kern-Zielgruppe der Union. Vor allem die CDU-nahen Zeitungen wie die Welt oder die FAZ berichten ausführlich und auffallend freundlich über die AfD.“

„Das große Medien-Echo, das die AfD ausgelöst hat, ist für Angela Merkel ein Geschenk des Himmels: Es spült ihr, der Alternativlosen, erstmals die Möglichkeit eines echten Plans B vor die Füße.

Merkel soll bereits in der ersten Phase der Euro-Krise mehrfach mit einem Euro-Austritt geliebäugelt haben. Damals ging das nicht, weil das alte Europa noch zu fest zusammengefügt war. Im Zug der gescheiterten Euro-Rettungen ist Merkel jedoch immer klarer geworden, dass sie den Euro nicht retten kann.“

Und zuletzt:

Hat Angela Merkel die „Alternative für Deutschland“ vielleicht gar selbst ins Rollen gebracht?

Wohl kaum.

Aber wenn Merkel in ihrer politischen Karriere etwas bewiesen hat, dann ist es die Tatsache, dass sie andere für ihre Zwecke instrumentalisieren kann, weil sie selbst wendig genug ist. Sie hat keine starren Prinzipien. Sie hat kein Privatleben neben der Politik. Merkel hat nichts, wofür sie kämpfen würde bis zum Umfallen.

Außer ihrem Schreibtisch im Kanzleramt.“

In der Tat eine sehr, sehr lesenswerte Analyse, die im Kern im übrigen mit unserer Einschätzung bemerkenswert übereinstimmt: Der AfD geht es um den Euro – sonst eigentlich um nichts, insbesondere nicht darum, die Entmündigung der Bürger umzukehren und mit Entschlossenheit eine neue Machtbalance für die Bürger im Sinne direkter Demokratie herbeizuführen.

Wer also gegen den Euro ist, der wird bei der AfD fündig. Wer eine rechte, marktliberale Alternative zur CDU / FDP sucht, wird ebenfalls bei der AfD fündig.

Wer aber diese Gesellschaft reformieren will, wer tatsächlich eine Alternative zum System will, der muss anderswo schauen. Noch einmal die Kernsätze aus dem DWN-Artikel:

„Mit der „Alternative für Deutschland“ hat Merkel auch innenpolitisch die angenehmste Form der Euro-Gegner, die sie sich wünschen kann. Wirklich gefährlich wäre für sie eine massive linke Anti-Euro-Bewegung. Eine Gruppe, wie man sie kurz bei Occupy Wall Street gesehen hat. Oder wie sie Attac einmal war. Wirklich gefährlich wäre für Merkel eine Fundamental-Opposition, die nicht nur den Euro, sondern den internationalen Finanz-Kapitalismus in Frage stellt. Eine Gruppe, die den Euro nicht über makroökonomische Expertise, sondern über massiven Protest auf der Straße hinwegfegen will. Wirklich gefährlich wäre für Merkel, wenn die Deutschen massenweise auf die Straße gingen.“

Wir, das ADD, sind zwar nichts links, sondern vereinen tatsächlich Menschen von Links bis Rechts, aber irgendwie bringt das auch unseren Ansatz zum Ausdruck. Denn der Euro-Wahnsinn ist nur das äußere Zeichen der eigentlichen Krankheit. Die Krankheit ist die Entmündigung und Entrechtung der Menschen. Und genau dagegen kämpfen wir. Und zwar öffentlich. Eben auf der Straße. Leider nur eben (noch) nicht massenweise.

ADD: Für ein bessere, für eine demokratische Bundesrepublik!

Und wer mitmachen will, Mail an: Kontakt@aktionsbuendnis-direkte-demokratie.de.

Kommentare zu: "AfD und Merkel: Bemerkenswerte Analyse der DWN" (9)

  1. Wenn der Euro scheitert, dann scheitert auch Europa. So ähnlich hatte es die Kanzlerin einmal formuliert. Damals war das eine manipulative Plattitüde, gerichtet an die Leichtgläubigen und die Pressevertreter. Jeder Aufgeklärte wusste: Europa ist größer und stabiler, als das es an einer scheiternden Währungsunion zerfallen würde.

    Dadurch aber, dass viel zu lange an der Gemeinschaftswährung festgehalten wurde, haben sich die wirtschaftlichen Bedingungen für einen neuen Start ohne Euro geändert. Deutschland ist das einzige Land in Europa, dass für eine solche Situation einigermaßen gut aufgestellt erscheint, – trotz und wegen seiner Außenhandelsverflechtung. Unsere Arbeitslosenquote ist nicht zuletzt deshalb so niedrig, weil wir die Arbeitsplätze haben, die im übrigen Europa fehlen.

    Was aber passiert in der übrigen Welt, wenn Deutschland aus dem Euro aussteigt und der Euro aus den Handelsbilanzen verschwindet? Bildungsbürger und Facharbeiter aus ganz Europa werden nach Deutschland flüchten, so lange es die europäische Freizügigkeit zulässt. Das könnte das Fünkchen sein, das die sozialen Spannungen in Europa zu einem Großbrand macht und tatsächlich eine Weltwirtschaftskrise zur Folge hat.

    Wenn wir der Kanzlerin der Deutschen bei dieser Lage der Dinge tatsächlich längerfristige Planungen und Weitsicht zutrauen, dann sollten wir es auch nicht gänzlich ausschließen, dass sie, die selbst als das Produkt einer zentralwirtschaftlichen Diktatur angesehen werden kann, bei allem, was sie heute tut, ihren alten „Kampfauftrag“ nicht vergessen hat: „Um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muss man ihr Geldwesen verwüsten,“ sagte schon Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin. Zentralismus und Diktatur sind für die Kanzlerin zumindest keine Schreckgespenster. Sie kennt solche Bedingungen und ist dennoch dabei, solche Bedingungen für ganz Europa zu schaffen.

    Es könnte sein, dass wir bald erkennen werden, dass die letzten die ersten werden in neuen „großen“ Diktaturen Russlands, Chinas und Europas. Der Bürger war noch nie so leicht und so umfassend zu kontrollieren, wie heute. Er war noch nie so uninformiert und desinteressiert, so spezialisiert und so vereinzelt, wie heute. Für jede Diktatur ist unsere Gesellschaft vorbereitet und ein Schlaraffenland.

    Vielleicht ist der Plan ja doch größer, als wir es bisher glauben wollten?

    (weitere Überlegungen dieser Art gibt es regelmäßig auf meinem Blog: http://glotzbox.de)

  2. Kurt J. Heinrich schrieb:

    Schade, dass ADD – wie mir auffällt – seit geraumer Zeit mit einer Menge „Seitenhiebe“ und Verdächtigungen (Merkel-Nähe, völliger Quatsch !!) auf die AfD losgeht, obwohl diese doch voll die (meisten) Interessen auch der ADD trifft. Statt sich gegenseitig „anzumachen“, wäre es m. E. sinnvoller und vor allem absolut wirkungsvoller, Synergien zu schaffen, gemeinsam die aktuellen Zustände anzugehen.. Auf der „Strasse“ – bei allem Respekt für die gut gemeinten Aktionen – kann doch keine Änderung herbeigeführt werden, das sollte doch nach „Frankfurt/M.“, usw. klar geworden sein. Im Parlament, im Bundestag kann man etwas bewegen, gestützt auf eine breite, vernünftige und demokratisch-bürgerlichen Mehrheit. Würde mich sehr freuen, wenn man sich endlich zu einer gemeinschaftlichen ZUSAMMENARBEIT im Interesse aller Bundesbürger/-innen und deren Nachkommen zusammen finden könnte. Oder ist da vielleicht so etwas wie ein „Futterneid“ ??

    • Ja, das ist verständlich, dass das so auf Sie wirkt.
      Tatsächlich hat das ADD sowohl die Gründung der AfD als auch die Vorläuferorganisationen „Wahlalternative 2013“ und „Bündnis Bürgerwille“ unterstützt, weil und solange sie glaubhaft für direkte Demokratie und gegen die Entmündigung der Bürger einstehen bzw. einstanden.
      Diese Aussage gilt für AfD heute nicht mehr. Und wir haben genügend Einblick, um diese Aussage qualifiziert machen zu können.
      Und deshalb müssen wir darüber aufklären: Wer nur gegen den Euro ist, der ist bei der AfD mehr oder weniger richtig. Wem es um die Bürger, um direkte Demokratie und um einen Systemwandel geht, der ist bei der AfD falsch.
      ADD.

    • Nicht der ADD ist der Traumtänzer und Weltfremd. Wer unter den in den letzten drei bis 10 Jahren gezeigten Verfahren der politischen Willensbildung und -durchsetzung noch daran glaubt, er könne von innen etwas ändern in dieser Republik, der hat die Machtverhältnisse noch nicht verstanden. Diese Republik ist mit diesen verstaubten Köpfen nicht zu reformieren. Die alten Parteien sind in der unendlichen Selbstreproduktion fruchtlos gefangen und dominieren den deutschen wie den europäischen Beamtenstaat, die vollständig auf die Befriedigung der Lobbyis hin optimiert sind… – Ohne Verfassung und Friedensvertrag wird sich in Deutschland nicht Grundlegendes mehr bewegen.

  3. Werner schrieb:

    „…Und genau dagegen kämpfen wir. Und zwar öffentlich. Eben auf der Straße. …“

    Überschätzt Ihr euch da nicht ein bisschen ?
    Wieviele Leute habt ihr denn bisher „auf die Strasse“ gebracht ? In besten Zeiten so 700 . Reicht nicht ! Damit kann man im Bundestag nichts bewirken !!! Gar nichts genauer gesagt .
    Wann wart ihr zum letzten Male „auf der Strasse ? Gefütlsmässig so ca. vor einem Jahr ?

    Ihr seid wohl grössenwahnsinnig geworden und macht euch dadurch nur lächerlich !
    Arbeitet der AfD zu (anstatt an ihr nur rumzumeckern ) dann habt ihr wenigstens eine Chance dass die Block-Parteien in ihrem Euro-Rettungs-Wahn eine Konkurrenz bekommen , wenn ihr aber für „Systemwandel“ seid dann seid ihr aber unter die „Spinner“ gegangen die nur mitleidig belächelt werden .
    Denkt an euere erste Demonstration , lest Bernhard Seitz’s Deklamation durch : Es geht um den Euro-Wahn !! Für „Direkte Demokratie“ bekommt ihr niemand auf die Strasse , die hat genau so ihre Macken wie die „Repräsentative Demokratie“ .
    „…Bündelung der bürgerlichen Kräfte (ist der) Erfolgsgarant…“
    http://www.freiewelt.net/nachricht-12458/b%FCndelung-der-b%FCrgerlichen-kr%E4fte-erfolgsgarant.html
    Reiht euch ein , macht mit und geht nicht unter die abstrusen Irren .

    mfg. Werner

  4. Die Illusion der Wahl schrieb:

    _Freiheitliebend und weniger Staat sind ein Widerspruch in sich. Weniger Staat ist der Türöffner für noch mehr Privatisierung. Und jetzt mal auf den Punkt gebracht: der Bürger bedarf des Staates, damit er frei sein kann! Bedeutet das Verhökern des Tafelsilbers „Freiheit“? Die Privatisierung des Wassers? Die Privatisierung der Wälder?
    Geht’s uns nach der Privatisierung der Versorger besser? Sind die Strompreise gestiegen oder gefallen? Wo ist all die Kohle hin für das Tafelsilber?

    Die DWN würde ich mit etwas mehr Vorsicht geniessen. Das ist ein rüpelhaftes Zensurblatt. Und man informiere sich mal über die Sponsoren. Dahinter steckt auch der europaweit schlechteste Arbeitgeber!

    • Ich glaube, es ist ein Irrtum, dass der Bürger den Staat braucht. Zu diesem Thema gibt es sehr viele sehr pragmatische Überlegungen, die es leider nie in die allgemeinbildende Schule geschafft haben… – Die bürgerliche Autonomie kennt auch heute schon sehr viele Organisationsformen, die in der Gänze den Staat, wie wir ihn heute kennen, überflüssig machen könnte.

      Im übrigen stimme ich zu! Die Privatisierung ist die Enteignung des Volkes. Die Enteignung des Volkes ist zugleich die Entmachtung des Volkes… Ausführliches zu diesem Thema auf meinem Blog: http://glotzbox.de/demokratie/2012/globalisierende-eskalationsblueten-1531/

      Beste Grüße
      Carlo

  5. Hat dies auf mekorr rebloggt und kommentierte:
    Schwierige Kiste, ist oder wird die AfD der nächste, systemstabilisierende Widerstandsabsorber oder ein unverzichtbarer Kompromiss um auf dem Weg in den Crash zu verhüten und zu retten, was noch zu verhüten und zu retten ist? Ich weißt es nicht. Bitte unbedingt auch die Kommentare lesen, vor Klick auf den nächsten Link:
    Lucke: AfD ist zu Koalition mit Merkel bereit:
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/30/lucke-afd-ist-zu-koalition-mit-merkel-bereit/

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