Was ist eigentlich mit Island? Island war 2008 in der tiefsten Krise. Island war pleite. Pleite wie Irland, Griechenland usw. Aber: Island ist nicht im Euro. Island hat die Isländische Krone. Und Island sagte in 2008: F.Y.: Wir gehen unseren Weg. Island ist heute schon weit fortgeschritten auf dem Weg der wirtschaftlichen und sozialen Gesundung. Ohne Euro. Deshalb. Reblogged von qpress mit freundlicher Genehmigung (Link).

 

Wie Island den Euro rettete und nun im Medien-Sumpf ersoffen ist

Coat_of_arms_of_IcelaWappen von Island

Reykjavík: Tatsächlich, wo ist Island in den Medien geblieben? Es ist schlicht weg, abgesoffen, nicht mehr existent. Bezogen auf seine Fläche von etwas mehr als 100.000 Quadratkilometer ist es kein kleines Fleckchen Erde Europas. Bezogen auf seine Einwohnerzahl von gut 320.000 eher ein Winzling und nur ein Drittel der zyprischen Einwohnerschar, deren Bedeutungslosigkeit uns gerade in den letzten Tagen eindrucksvoll vor Augen geführt wurde. Jetzt könnte man meinen, die Nichtpräsenz der Insel hätte mit den wenigen Menschen dort zu tun. Dem ist aber nicht so, es geht eher um die generell schlechte Vorbildwirkung die diese Menschen auf die „Resteuropäer“ auszuüben im Stande wären.

Genau letzteres wird der Grund sein, warum man dieses sture Inselvolk hier tunlichst nicht mehr erwähnt, quasi totschweigt, allein um Ansteckungsgefahren zu vermeiden. Pures Gift für die jetzige EU-Kratie. Insoweit ist auch die Ferne dieser kalten Insel eine Eigenschaft, die die mediale Quarantäne stark begünstigt. Island ist (noch) nicht Mitglied der EU, sie stellten den Aufnahmeantrag erst im Juli 2009 und seither wird, wie üblich, lang verhandelt, dabei wird es wohl auch bleiben. Seit 1999 nimmt Island aber am Schengener Abkommen teil, sodass man recht gut und ohne große Formalitäten aus der EU dorthin reisen kann. Für jene die jetzt noch den Kopf schütteln, weil sie es geographisch nicht auf den Schirm bekommen: Island liegt zwischen Norwegen und Grönland und nordwestlich von England, so als grobe Orientierung und ja, Island ist noch da.

Um die Überschrift jetzt weniger rätselhaft wirken zu lassen, soll folgendes erläutert werden. Wäre Island zum Zeitpunkt des Beginns der Finanzkrise und beim Zusammenbruch seines Bankwesens Mitglied der Euro-Zone gewesen, dann hätte es durch sein radikales Verhalten in der Sache den Euro zu Fall gebracht und damit die Union gesprengt. Andere Länder, die den Euro haben und möglicherweise mit ähnlichen Optionen liebäugelten, wurden von Brüssel aus massiv erpresst und gegängelt, dass sich entsprechende Gedanken gar nicht erst großartig ausbreiten konnten.

Island Karte

Deshalb kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass Island durch seine „Nichtmitgliedschaft“ in der Euro-Bande, dieser bislang das Leben gerettet hat. Oder anders ausgedrückt, wäre Island zu dem Zeitpunkt Euro-Teilnehmer gewesen, hätte man vermutlich eher eine „Befreiungsarmee“ dorthin entsandt, um die sturen Isländer mit dem Gewehrlauf wieder auf die EU-Staatsräson einzuschwören, als den Euro krachen zu lassen. Nach geltenden EU Bestimmungen hätte man bestimmt auch einen Weg gefunden dies als Aufstand zu deklarieren. Aber betrachten wir jetzt ein wenig genauer was dort abgegangen ist, auch noch passiert und weshalb man die Insel, als Hort einer neuen Demokratie hier doch lieber totschweigt.

Isländische Krisenbewältigung

Nach dem Zusammenbruch des isländischen Bankensystems hat man dem Druck der internationalen Banken, des IWF und auch diverser anderer Nationen widerstanden und eine Vergemeinschaftung der durch die Banken verursachten Verluste rigoros abgelehnt. Ergänzend dazu haben die Bürger die amtierende Regierung aus dem Amt gejagt und viele für das Drama verantwortliche Politiker und Banker vor Gericht gestellt und tatsächlich auch allerhand Gefängnisstrafen für diese Verfehlungen ausgeteilt. Verfehlungen, für die im restlichen Euro-Raum und in anderen Ländern bis heute noch millionenschwere Boni an die Banker ausgereicht werden. Also noch ein Grund mehr dies alles zu verschweigen.

Dessen aber noch nicht genug. Der Preis dafür war zunächst die Staatspleite und damit auch eine Art internationale Isolation und Ächtung. Immerhin hatten es die kriminellen Bankster geschafft einen Haufen an Verbindlichkeiten aus Fehlspekulationen und Fehlinvestitionen von sage und schreibe 900 Prozent des isländischen Bruttosozialprodukts aufzutürmen.

Jetzt haben aber die 320.000 Insulaner nicht den Kopf ins Eis gesteckt, auch nicht in den kalten Sand, nein sie fingen jetzt gerade mal an sich und ihren Staat neu zu erfinden und sind aktuell noch dabei. Damit zeigen sie auf ganz ekelhafte Weise einem Moloch namens EU jetzt einmal mehr wie Demokratie richtig funktionieren kann. Ein Sakrileg, denn nichts wird in der EU und der Euro-Zone mehr verabscheut als direkte Demokratie, weil es nachweislich den Interessen einiger weniger sehr stark schadet und die Volksausbeute aufs höchste gefährdet.

Demokratie neu definiert

Und genau in dieser Phase steckt Island derzeit noch. Ein kleiner Rat von gut 25 Menschen arbeitet hart daran an, eine neue, eigene Verfassung auf die Beine zu stellen. Der Prozess selbst ist sehr bemerkenswert und in höchstem Maße transparent. Dies begann bei der Auswahl der Menschen die dieses Werk vollbringen, wie auch für die Offenheit bei der Gestaltung, bei der dem Grunde nach alle Isländer online zusehen können.

Keine Politiker sind mehr an der Erarbeitung der neuen Verfassung beteiligt und diejenigen die diesen Job machen haben einen entsprechenden Leumund im Volk der sie dorthin geführt hat. Und das Volk selbst kann jederzeit zusehen, kommentieren, anregen, ergänzen, Fragen stellen oder auch nur kritisieren. Der Prozess hält derzeit noch an und ist nicht abgeschlossen. Wer darüber noch mehr und genaueres erfahren möchte, der kann sich diesen äußerst inspirierenden Artikel einer italienischen Radioreportage dazu antun Neues von der Finanzkriegsfront, wobei dieser Artikel von „Terranetz.org“ auf Deutsch gehalten ist und den ganzen Werdegang rund um die Krise und die neu zu erarbeitende Verfassung des Landes wunderschön erläutert und zusammenfasst. So gut, dass man wieder richtig Lust auf echte Demokratie bekommt. Wer Details dazu sucht und mag, der sollte den Artikel lesen.

Island ist brandgefährlich für die EU

Nun sollte auch dem letzten Betrachter schon klar werden warum am Ende auch die noch andauernden Beitrittsverhandlungen zur EU werden scheitern müssen. Es mag bei einigen Kooperationen, wie beispielsweise dem Schengen Abkommen und vergleichbaren bleiben, aber ein vollwertiges EU und Euro-Zonen Mitglied kann Island unter solchen Voraussetzungen nicht mehr werden. Denn sie müssten wieder ähnlich undemokratische Gebilde über ihrer neuen Verfassung dulden, was nach derartigen Mühen wohl ausgeschlossen scheint. Wenn man dazu dann noch betrachtet wie wenig sich die EU selbst an eigene Verträge und Abkommen hält, dann muss einem Normalbürger schon Angst und bange werden.

Genau die aufgezeigten Faktoren dürften die Gründe dafür sein, warum man in der Europäischen Union diese Insel am liebsten gänzlich versenken möchte, nicht nur in den Medien. Island stellt eine echte Bedrohung für jede indirekte oder repräsentative Demokratie dar, jedenfalls solange über diese eisigen Hinterwäldler noch berichtet wird. Für uns ein Grund mehr. Die EU ist ja noch viel weiter von echter Bürgerbeteiligung entfernt als manche Nationalstaaten und hat mit Demokratie deshalb schon rein gar nichts mehr zu tun.

Island hat ein Knechtschaftssystem gekippt und ist dabei zu zeigen wie Selbstorganisation von Menschen funktionieren kann. Das Argument, welches jetzt zu erwarten ist, dass dies bei Abermillionen von Menschen nicht mehr funktionieren können soll, scheint ziemlich verlogen, aber wir werden uns auch solches mit Sicherheit seitens unserer Offiziellen noch anhören müssen, sollten wir auf die verwegene Idee kommen Island für dieses Vorhaben als Beispiel anzuführen. Wer also den Gedanken einer ehrlichen und volksnahen Demokratie für erstrebenswert hält, der sollte sich von Zeit zu Zeit einmal nach dem Wohlbefinden dieser 320.000 Insulaner auf Island erkundigen, damit sie eben nicht aus den Augen und aus dem Sinn verschwinden. Das Verhalten der Isländer verdient höchsten Respekt.

ADD: Island zeigt wie es geht!

Kommentare zu: "Reblog: Island – Modell für Europa" (7)

  1. Positiv, trotzdem schrieb:

    Den Isländern gehört unsere volle Anerkennung und Hochachtung! Ihnen ist es ja auch schon gelungen die überhaupt nicht zimperlich mit ihnen umgehenden Dänen davon zu jagen, es bleibt für uns die Hoffnung, daß der Deutsche Michel einmal aufwacht, um sich daran ein Beispiel zu nehemen. Bei uns ist so vieles zum Himmel stinkend, daß man es eigentlich nicht mehr aushalten kann. Das unübersichtliche Steuergeflecht, selbst von Fachleuten schwer durchschaubar und jetzt als Krönung auch noch die GEZ-Abgabe. Es ist höchste Zeit, daß dem Spruch „Wir sind das Volk“ Konsequenzen folgen.
    Beginnen wir mit dem Gedanken an die Direkte Demokratie und füllen wir diesen Gedanken mit Energie, dann bekommt „er“ eine Chance und wir mit ihm!!!

  2. Heidrun Büsers schrieb:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    dieser Artikel ist einzigartig! Beste Aufklärung, so dass jeder versteht, was dort geschehen ist und wie man sich selbst hilft.

    Würden das alle übrigen EU-Mitgliedsländer so gemacht haben, wären die Banken einschl. der Verbrecher darin zum Teufel, und natürlich auch die korrupten Politiker, und man hätte den Menschen ihr Geld gerettet.

    Wie kommen wir nur auch dahin????

    Wenn es ein Lösung in dieser Art gäbe, ich stünde zur itarbeit sofort parat.

    Dank für Ihre unermüdliche Arbeit und Aufklärung.

    Es grüßt Sie Heidrun Büsers

  3. Ja – Hochachtung. Was uns fehlt ist eine große und wirklich gute Vereinigung, die diese Arbeit beginnt. Schlimm ist, dass es viele gute Ansätze gibt, (Freie Wähler, AfD, Partei der Vernunft etc.), die sich aber immer wieder zerstückeln lassen und wegen Kleinigkeiten aufeinander losgehen. Oft geht es dann doch nur um Selbstprofilierung, anstatt um die Sache an sich.

  4. Positiv, trotzdem schrieb:

    Moin liebe Frau Büsers und liebe Maren!
    Wenn Sie mitmachen, dann sind wir schon zu dritt! Daraus kann etwas werden. Wir stellen uns vor, das Volk beginnt zu verstehen, was da vorgeht, aber bevor es zu schwer wird machen wir uns einmal grundsätzliche Gedanken über das zunächst zu erreichende Ziel. Dieses wird dann mittels unserer Gedankenenergie mit Kraft ausgestattet, frei nach Mahatma Ghandi, und die Entwicklung nimmt ihre positiven Lauf!!
    Mit bestem Gruß!!!

  5. T-Rex schrieb:

    Man kann unmöglich Island mit den Rest von Europa vergleichen. Eine Insel, die so groß ist wie Bayern und Baden Würtemberg zusammen. Mit einer Einwohnerzahl von Wiesbaden. Und diese kleine Idylle ist ca. 2000 Km. von Europa entfernt.

    • Beadmixer schrieb:

      … Größe allein macht nicht immer alles aus…
      Man hat ja gesehen, was Ísland in/ab 2008 zur Folge hatte – auch, wenn es sooo wie t ist, wie sie behaupten. Ein Mausklick, heute hier, morgen das Geld da.
      Willkommen in der Globalisierung.
      Ich gehe noch weiter: Schlimm, dass die EW-Zahl von Wiesbaden damals Ísland überhaupt ausreichte, die Finanzmärkte (wie auch der Eyjafallajöküll) zu erschüttern und sich diese in unsere Gehirne gebracht hat! War doch mit Zypern nicht viel anders – viele EU-Bürger haben dieses Land noch nicht einmal als EU-Land wissentlich betrachtet…

  6. Positiv, trotzdem schrieb:

    Von so dusseligen Kommentaren kann man sich nicht einmal totlachen, der Witz ist nicht erkennbar!!!

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