Seltsame Zeiten…

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(Wikicommons, Stougard)

Es sind seltsame Zeiten für Menschen, die den Wahnsinn hinter dem Euro und der EU-Machtergreifung erkannt und verstanden haben. Auf der einen Seite die Unmenge von Daten und Nachrichten, die den Euro-Wahnsinn, den politischen und wirtschaftlichen Bruch zeigen, auf der anderen Seite eine behäbige Normalität des Alltagslebens in den Wohlstandszentren der Bundesrepublik.

Die Fakten sprechen an sich eine klare Sprache: Enteignungen in Zypern; Massenarbeitslosigkeit in Griechenland und vielen anderen Ländern und eine ganze Generation junger Menschen, deren Zukunft das wirtschaftliche Nichts ist; das ESM-Ermächtigungsgesetz, der laufende Zusammenbruch des EU-Automobilmarktes; die Vorbereitungen zum Einsatz des Militärs im Innern und vieles andere mehr.

Und doch bleibt die Krise in den Wohlstandszentren der Bundesrepublik – und die Speerspitze des Widerstands gegen den Euro-Wahnsinn findet sich nicht ohne Grund vor allem in Stuttgart, München, Hamburg, Frankfurt usw. – seltsam abstrakt.  

Es ist klar, dass hier die mediale Propaganda ihre Wirkung zeigt. Die Medien spielen Tag für Tag, Nacht für Nacht „heile-Deutschland-sucht-den-Superstar-Welt“. Mit Promidiner und Tatort werden Augen, Ohren und Gehirne der Menschen zugekleistert, bis dass sich manch ganze Existenz nur noch um die Frage dreht, ob Pietro oder Celine Top-Modell werden.

Die Nachrichtenmedien, von Tagesschau bis Handelsblatt, beachtet eh kaum noch jemand. Gerade die jungen Menschen spüren instinktiv, dass sie von dort nur mit Müll zugetextet werden. Dann doch besser die Wolny’s schauen – da ist man wenigstens unterhalten. Und die älteren Menschen, die diese Medien noch nutzen, deren Wahrnehmung der Wirklichkeit wird geschickt manipuliert: Krisen gibt es immer nur für einen Tag, bestenfalls eine Woche, sind sowieso was positives und am Ende steht der DAX auf einem neuen Höchststand.

Doch es sind nicht nur die Medien, die hier eine Rolle spielen. Die Medien können die Welt rosa zeichnen, aber sie können nicht die Realität völlig verändern. Und die Realität ist in den Wohlstandszentren der Bundesrepublik eben das: Normalität. Die Leute haben Arbeit, verdienen zwar real wenig, aber verdienen etwas. Man kauft morgens Brötchen und geht zur Arbeit oder wendet sich der Kinderbetreuung oder anderen Aufgaben zu. Es gibt für uns in den Wohlstandszentren bisher keine Krise. Man muss die Krise intellektuell erkennen, um sie zu sehen.

50 oder 60% Jugendarbeitslosigkeit sind für uns abstrakte Zahlen – denn wir haben hier keine nennenswerte Jugendarbeitslosigkeit.

Doch es ist sicher, dass die Krise auch zu uns nach Hause kommen wird. Das Wasser mag langsam steigen und erst andere Länder verschlingen – am Ende werden auch wir hier die Auswirkungen real und im täglichen Leben spüren.

Das Seltsame an der ganzen Situation sind zwei Dinge:

1. Die Normalität in den Wohlstandszentren ist eben ein zentrales Mittel, um die Normalität aufrecht zu erhalten. Weil alle so tun, als gäbe es kein Problem, gibt es tatsächlich weniger Probleme. Wenn aber die Millionen Leistungsträger in den Wohlstandszentren das Vertrauen verlieren und entsprechend handeln, ist die auf Sand gebaute Normalität ebenso am Ende wie das Blockparteienspiel von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Wenn es also unsere Normalität nicht mehr gibt, dann gibt es diese Normalität tatsächlich nicht mehr.

2. Wenn weiter, was angesichts der realen Entwicklung unvermeidbar ist, die Krise die Wohlstandszentren erreicht, werden diese Zentren wahrscheinlich ungleich stärker als die Peripherie getroffen werden. Die Peripherie muss sich heute schon in der neuen schönen Welt der Armut einrichten und zurechtfinden. Die Fallhöhe in den Wohlstandszentren ist hingegen viel höher und der Absturz wird unvermittelt und noch tiefer sein, denn wenn die Wohlstandszentren gefallen sind, wird es niemanden mehr geben, der den Absturz auch nur ein wenig abmildern wird können. Mit am schwierigsten wird die mentale Umstellung sein: Vom SUV-Fahrer und der Latte-Mutter zum Bettler und zur Bettlerin, denn auch Hartz IV wird es so nicht mehr geben. Von der Zentralheizung zu Briketts – wenn man sie sich leisten kann und einen entsprechenden Ofen hat.

Auch wir, die wir im Widerstand gegen die Entdemokratisierung und den wirtschaftlichen Euro-Wahnsinn aktiv sind, werden am Ende genauso von diesen Entwicklungen betroffen sein, wie alle anderen, denn kein Normal- und auch Gutverdiener kann sich eine Fluchtburg in Paraguay leisten. Und der Umstand, dass wir „Recht hatten“, wird uns auch nichts nützen.

So bleibt denn nur die vage Hoffnung, dass es hinter dem ganzen politischen und staatlichen Wahnsinn ein paar vernünftige und verantwortliche Köpfe gibt, die Vorkehrungen für den Krisenfall treffen, materiell aber auch immateriell. Nahrungsmittel, Treibstoff, Medikamente… aber wichtiger noch: Ein demokratisches Staats- und funktionierendes Wirtschaftsmodell für die Zeit danach haben. Denn Vorräte werden verbraucht. Wichtiger ist, sich unter den neuen Umständen zurecht zu finden und eine neue, wirtschaftlich und politisch-demokratisch tragfähige Basis zu schaffen.

Und so ist es zuletzt eine weitere Seltsamkeit, als Kämpfer gegen den staatlich verordneten Euro-Wahnsinn just auf diesen Staat hoffen zu müssen.

ADD: Für direkte Demokratie. Ohne Kompromisse.

 

Kommentare zu: "Seltsame Zeiten…" (11)

  1. Den Eindruck von ‚Seltsame Zeiten‘ haben nur die, die diese Phase der europ.Geschichte n i c h t als vorrevolutionäre Phase hin auf denÜbergang in die evolutionslogisch folgende Fortschrittsordnung des KREATIVEN Evolutionspfades einordnen können. Zu den Kannitverstans gehören auch die Texter der ADD-Postings.

  2. Tobias schrieb:

    Super Kommentar, vielen Dank!
    Ja stimme in Allem zu. Bin seit längerer Zeit dabei mich menthal darauf einzustellen.

    Was ich zu gern wüßte: was geht nur in den Köpfen von Merkel und Schäuble und allen Blockparteien vor? wirklich vor? Man kann es doch zwischenzeitlich so glasklar sehen, was da kommt. Sind Ihnen die Menschen wirklich egal? Ebenso die ganze EU-Obrigkeit. Ich kann das als garnicht glauben. Wir sind doch alles auch Menschen.

    • Schonb ‚mal was von der hegelschen List der Geschichte gehört?

    • murksel schrieb:

      Meiner Meinung nach sind Merkel und besonders Schäuble von Grund auf bösartig und unmenschlich. Genau deshalb hat man (Bilderberger oder so ?) sie auch für diese Jobs ausgesucht. Außerdem halten sie uns alle für dumm.
      Die Abnicker im BT sind einfach noch blöder als wir „Aufgeklärten“. Und vor allen Dingen sind sie bequem. Rubel rollt, Pensionsansprüche gut, und das ohne große Mühen. Gesetzestexte muss man nicht lesen. Es wird einem vorgegeben was man abzunicken hat und fertig. Nur diese kleinen Abnicker werden sich auch wundern. Denn eine Fluchtburg in Paraguay können die sich wahrscheinlich überwiegend auch nicht leisten.
      Hier noch ein interessanter Link. Das wünschen sich die usraelischen Finanzfaschisten für Europa. Da wird einem übel!!!!!
      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/25/jpmorgan-erwartet-ende-des-freien-bank-kontos-in-europa/

  3. Martin schrieb:

    @Tobias
    Als „Normalbürger“ kann man sich wahrscheinlich nicht in diese Köpfe denken und andersrum fällt es denen wohl auch schwer sich in die der Bürger rein zu denken. So wie du in deinem persönlichem Umfeld verkehrst, verkehren diese in ihren elitären Kreisen und sind somit recht gut abgeschirmt.
    Um es zu glauben genügt ein Blick in die Geschichte. Seit dem solche Systeme herrschen gibt es Kriege in denen Menschen durch jene geopfert wurden und das wird wahrscheinlich wieder passieren, denn ich denke es wird gerade bei der drohenden Perspektivlosigkeit leicht Feindbilder zu schaffen und Menschen zu finden die bereit sind zu kämpfen, im Glauben an die gerechte Sache.
    Ich hoffe natürlich auf ein Erwachen der Menschen, aber anscheinend dreht sich die Menschheit im Kreis.

  4. Hasi Hasenfuß schrieb:

    Das Geld ist nicht weg. Auch der Wohlstand ist nicht weg. Er wurde nur umverteilt vom Mittelstand und den halbwegs wohlhabenden zur Hochfinanz.

    Unser den Bürgern aufgezwungenes Fiatgeldsystem (Falschgeldsystem) erlaubt PRIVATEN Geldkartellen die Geldschöpfung aus dem Nichts. Dieses Geld wird gegen Zinsen (eine Art Miete oder Tributzahlung für die Geldbenutzung) verliehen – z.B. an unseren Staat. Internationale Bankenkartelle bereichern sich am exponentiell steigenden Zinseszins.

    Es gibt also exponentiell steigende Zinsgewinne auf der einen Seite und exponentiell steigende Armut (Zinsknechtschaft) auf der anderen Seite. Während die Hochfinanz exponentiell reicher wird, verliert der Mittelstand exponentiell Wohlstand.

    Weshalb aber wird das ungedeckte Papiergeldsystem nicht aufgegeben? Dies ist die Antwort:

    Gerade in der letzten Phase eines Geldzyklus, vor dem Zusammenbruch, sind die Zinseszinsgewinne am höchsten. Deshalb versuchen unsere Politiker als Lakaien der Hochfinanz, das System so lange wie möglich zu erhalten. Jetzt, kurz vor dem Kollaps, wird am meisten abgesahnt.

    Da die allermeisten Menschen aber nicht wissen oder begreifen (wollen), was exponentielles Wachstum ist und wie hinterlistig unser Fiatgeldsystem konstruiert wurde, dürfte sich das Wahlverhalten der Deutschen auch künftig kaum ändern.

    Direkte Demokratie? Ich träume auch davon. Aber dazu müsste sich der deutsche Wähler ändern.

    Die Mehrheit der deutschen Wähler sind nachweislich nicht in der Lage, andere Parteien als CDU oder SPD zu wählen. Diese zwei Flügel der Einheitspartei teilen sich seit einem halben Jahrhundert die Macht – und werden immer und immer wiedergewählt. Zum Verzweifeln.

    Was sollen solche Zombie-Wähler denn mit direkter Demokratie anfangen? Die wählen doch, was ihnen die Mainstreammadioen vorkauen.

    Ist uns noch zu helfen?

    • dieandereperspektive schrieb:

      NEIN! Es könnte jedoch durchaus auch so sein, dass das Wahlergebnis manipuliert ist. Denn wie erklären sich denn die immer sehr präzisen Wahlprognosen?

      • Ernst Oelkers schrieb:

        Das Gefühl hatte ich bei der Wahl in NDS, dass da irgendetwas nicht stimmt.
        Vorläufiges Endergebnis = fast Endergebnis.

        Wenn man sich dann noch folgende Umfrage ansieht, kommt man schon ins grübeln. http://www.focus.de/politik/deutschland/wuerden-sie-eine-anti-euro-partei-waehlen_void_636.html

        Bericht in unserer Regionalzeitung kam, aber angeblich würden nur 25% dafür stimmen.

        MfG

        • dieandereperspektive schrieb:

          Daher erwarte ich auch bei der nächsten Bundestagswahl nichts bahnbrechend Neues, denn unser Parlament hat ja ohnehin nicht mehr viel zu bestimmen, siehe Zypern. Da wird ein flächendeckender staatlich organisierter Diebstahl gerade noch vereitelt, um dann daraus einen humanitären Diebstahl zu machen. Doch die Verantwortlichen, die jahrelang satte Zinsen abgesahnt hatten, wer kennt diese und wer macht sie jetzt dafür verantwortlich?

          Trotzdem sollte jeder die AFD wählen (auch wenn sie nicht halten wird, was sie verspricht) und sich dazu auch bekennen. Denn dann erst kann der Schwindel aufgedeckt werden.

  5. Die Troika uebertoelpelt mal wieder die Parlamentarier und alle Steuerzahler. Dazu sehe man sich mal das Zahlenwetk an. 17 Milliarden sollen es werden. Wieklich?

    Die „ELA“ der EZB alleine ueberstieg bereits 14 Mrd. Dann urden gestern 5 Mrd Bargeld verteilt. Dann flossen ja Einlagen auch trotz geschlossener Banken weiter ab… Heute steht dann der Beginn eines unausweichlichen Banken Runs an. (Wer glaubt denn an die rasche Aufhebung der Kapaitalverkehrskontrollen?!?). Aber irgendwann werden sehr viele Sparer ihre Einlagen abgezogen haben. *** Durch „FRR“ fractional reserve requirements hat dies schlimme Folgen aufgrund des Hebels von etwa 10. Nehmen wir mal an dass 20 Mrd abgezogen werden. Das wirkt sich dann auf Darlehen in der 10-fachen Groesse aus.

    „17 Mrd“ sind ein Ding der Unmoeglichkeit. Aber die Troika luegt und betruegt lustig weiter. Die naechste Rettung wird schon bald faellig – „alternativlos“, was sonst?!?

    • dieandereperspektive schrieb:

      Hmm, die Kuh wird solange gemolken werden, wie sie Milch gibt. Ich sehe derzeit nur die Möglichkeit, die Einlagen den Banken zu entziehen. Doch davor sollte man keine Angst haben. Denn eher ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, oder?

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