Griechenland: Eine Mail.

Heute erhielten wir eine Mail, die absolut sachkundig, ehrlich und einsichtig klingt. Wir kennen die Autoren nicht persönlich, aber die Mail spricht für sich.

„wir leben seit etwa 10 Jahren in Griechenland und kennen das Land sehr gut. Davor lebten wir in Deutschland – ich (Deutsche, 59) bin dort geboren und mein Mann (Grieche, 68) kam als Abiturient. Auch Deutschland kennen wir sehr gut. Es gibt sehr Vieles, was uns hier in Griechenland recht gut gefällt – deshalb sind wir ja auch hier und nicht mehr in Deutschland.
Aber an dieser Stelle geht es aber nicht um Griechenland als Auswanderungsziel oder Heimat, sondern um den Euro.

Wir verfolgen das Euro-Drama unentwegt sowohl in den griechischen Medien als auch in den deutschen Medien. Nachdem wir die Folgen des Eu-Beitritts und die Folgen des Beitritts zur Währungsunion in Griechenland miterlebt haben, alle Fürs und alle Widers gegeneinander abgewogen haben und die Mentalitäten beider Völker verglichen haben, stellen auch wir fest:

Es ist blanker Unsinn, das griechische System weiter zu unterstützen. Das griechische Volk muss und kann sich nur selbst helfen – jede Unterstützung von außen zementiert nur das hier seit Jahrzehnten herrschende korrupte Familienclan-System. Es ändert sich hier nie etwas – es sei denn, das Geld ginge tatsächlich einmal aus. Dann müssten die Menschen nämlich überlegen, wie und warum sie in diese missliche Lage gekommen sind. Erst dann – ohne europäische finanzielle Unterstützung -, käme die volle Wahrheit endlich ans Licht:

dass nämlich der Staatsapparat viel zu aufgebläht ist und dass man sich bei einem System voller Korruption, in dem man z.B. sämtliche erforderlichen Zeugnisse auch kaufen kann (anstatt sich selbst anzustrengen) letztendlich auf Nichts und Niemanden verlassen kann. Jeder Arzt kann ein Hochstapler, jede Ökoweinflasche gefälscht sein. Es gibt hier keine reelle Leistung, die man im Vergleich mit anderen europäischen Leistungen bewerten könnte, denn sämtliche Wettbewerbsbedingungen sind verzerrt, überall wurde auf die eine oder andere Weise massiv und verfälschend eingegriffen.

Weil sich inzwischen eine ganze Generation aus den Brüsseler Mitteln freizügig und wie selbstverständlich bedient hat, kommt auch kein Unrechtsbewußtsein auf. Vielmehr hält man die (inzwischen auch in Deutschland hinlänglich bekannten) „sozialen Errungenschaften“ für gerecht und von den Vätern erkämpft. Dementsprechend rufen auch sowohl die Gewerkschaften flächendeckend über alle Parteigrenzen hinweg und als auch die linke KKE u.a. zu immer neuen Demonstrationen gegen die angeblich unmenschlichen Sparmassnahmen auf. Wirklich gespart hat man ohnehin bisher noch nicht – entgegen den Medienberichten in Deutschland. Es wurde bisher lediglich ein sehr kleiner Teil des Gesamtgehalts der Beamten gestrichen. Das Gehalt besteht aus Grundgehalt plus etliche Zulagen für 14, 15 oder sogar für 16 Monate pro Jahr. In Athen z.B. verdient ein Busfahrer etwa so viel wie ein deutscher C2-Professer an einer Uni – das Geld hierfür wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt von der griechischen Volkswirtschaft erwirtschaftet, sondern kam immer aus den Töpfen der EU. Das hält man hier für normal, die Menschen wissen es tatsächlich nicht besser. Viele glauben, dass es so eine Art Anspruch auf ein gutes Gehalt gibt und dass dieser Anspruch durch den Beitritt in die EU gewährleistet wurde und dass die Mittel hierfür notfalls eben von den anderen EU-Mitgliedern bereit zu stellen seien. Da gibt es also neben der Korruption auch noch ein reines Aufklärungsproblem.
Hinzu kommt, dass auch die Mittel der Kontrolle und Einsichtnahme in die griechische Wirtschaft  (Statistika z.B.) nicht den Tatsachen entsprechen und man sich kein rechtes Bild von der Situation machen kann.

Die Auflagen der Troika wurden nicht bzw. nur teilweise erfüllt. Durchgeführt  wurde grundsätzlich nur das, was ohne nennenswerten Widerspruch zu machen war. Alle staatlichen Gebühren schnellten in die Höhe, alle Steuern, alle Beiträge zu öffentlichen Kassen (Renten- und Krankenversicherungen, Strombetriebe, Wasserwerke) wurden erhöht. Überall dort, wo man den direkten Zugriff auf die Geldbörse des Bürgers hatte, hat man zugelangt. Selbst vor den weit unterhalb des Existenzminimums liegenden Einkommen machte man nicht halt. Da aber, wo Widerstand zu erwarten war, hat man keine einzige Forderung erfüllt.  Diese unerfüllten Forderungen aber wären die Anreize zur Ankurbelung der Konjunktur gewesen – sofern man hier in GR überhaupt noch von einer funktionierenden Wirtschaft sprechen kann. Die Konjunkturanreize sind also nun ausgeblieben, dafür aber ist der Konsum stark zurück gegangen. Die Griechen haben zwar in ihrer großen Mehrheit eine Menge Geld gebunkert, aber sie geben es jetzt nicht mehr aus, denn sie misstrauen der Lage. Folglich bekommt der Staat geringere Steuereinnahmen usw. usw. usw. Ohnehin wurden und werden Steuern noch immer kaum bezahlt und auch nicht eingetrieben.

Natürlich kann man nun darüber fachsimpeln, ob bei der totalen Erfüllung aller Troika-Forderungen die Konjunktur angesprungen wäre. Fakt ist aber, dass nicht alle Forderungen erfüllt wurden und dass die Wirtschaft sich am Boden befindet – die Schuld hierfür geben die Griechen bequemerweise der Troika. Sie wird für alles verantwortlich gemacht, was sich in den letzten Monaten für die Menschen negativ verändert hat. Die europäischen Partner werden schlecht gemacht, damit man sich bei den nächsten Wahlen Stimmen sichern kann. Das funktioniert bis jetzt auch.

So ein Partner ist nicht verläßlich. Seine Handlungen und sein Wirtschaftsgebaren sind in der Gegenwart und in der Zukunft unkalkulierbar. Vor die private Entscheidung als Familie gestellt, ob wir mit einem solchen Partner ein gemeinsames Geschäft betreiben würden, würden wir sofort entschieden ablehnen.
Das darf doch auch für uns als Volk nicht anders sein.
Deshalb befürworten wir die Aktion gegen den Euro bzw. gegen den Rettungsschirm.

Kommen können wir leider nicht – die Fahrt ist für uns zu teuer. Aber wenn wir etwas Anderes tun können, dann geben Sie uns bitte Bescheid!“

Danke.

Info & Kontakt: aktion-direkte-demokratie@email.de.

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Kommentare zu: "Griechenland: Eine Mail." (4)

  1. […] den Originalbeitrag weiterlesen: Griechenland: Eine Mail. « Start Bookmarken Sie uns, Danke! Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen […]

  2. crimson schrieb:

    Auch den Griechen sollte klar sein, dass es um die Rettung der Banken, ihrer Großkunden und Investoren, die teilweise identisch mit Unternehmen und staatlichen Auftraggebern- und -nehmern sind, geht. Man sollte endlich mal das System der organisierten Ausplünderung begriffen haben!
    Wenn der heutige Staatssekretär Asmussen in die EZB als Nachfolger von J. Stark wechselt, geht dorthin ein ausgewiesener „Bankenmensch“, der in der Finanzkrise 2008 dafür gesorgt hat, dass hier nichts anbrannte und die Milliarden-Pakete an die Banken durchgereicht wurden, gleichzeitig die Bevölkerung dafür Schuldtitel im Bundeshalt erhielt.

    Bis heute hat man nichts mehr von den ca. 850 Milliarden Euro gehört, die in den Bad Banks verschwunden sind: Keine Bundestag redet darüber, aber diese Schulden sind noch da! Sie werden aber in der Bundesschud nicht mitgerechnet!
    .
    Ausserdem ist er mitverantwortlich für die Misswirtschaft in der IKB, was letztllich zur Übernahme durch die als Heuschrecke bezeichnete Lonestar-Invesorengruppe führte.
    Wer sich für dafür interessiert, wie Beamte auf einmal defacto die Führung von Unternehmen übernehmen, ohne unternehmerisch zu haften, wer diesen Schwachsinn noch aushält, der sollte in der überregionalen Presse weiterlesen. Da steht genug drin.

    Es wird hier ein schleichender Systemwechsel in eine staatliche Planwirtschaft vorgenommen, den die Älteren noch aus den 70er Jahren als STAMOKAP kennen, wie Jürgen Tritten in seinen jungen Jahren beim Kommunistischen Bund Westdeutschlands auch und die meisten als Jusos. Die damalige Systemkritik ist aktueller denn je!

  3. Was soll man dazu noch sagen…
    Wenn wir demnächst crashen und die Logistik zusammenbricht werden die Supermärkte leer sein. Der schuldige wird schnell gefunden sein. Ein hungernder veramter Mob wird randalierend auf die Straße gehen und alles kurz und klein hauen oder niederbrennen was ansatzweise Kapitalistisch aussieht. Dann kann EU chunta ihre Notstandsdiktatur errichten… Ich bin deprimiert. =(

  4. Zusatz-Info von unserer Quelle aus Griechenland:

    „Guten Tag,

    a) mit den Busfahrer-Gehältern verhält es sich so:
    die Fahrer des KTEL (staatliche Firma) erhalten pro Jahr ca. 50.000,-€ und mehr. Auf Nachfrage von griechischen Journalisten antwortete einer der Gewerkschaftsfunktionäre, dass sich das hohe Gehalt dadurch rechtfertige, dass man ja schließlich das Steuer und damit die Verantwortung in der Hand halte. Dementsprechend erhalten U-Bahnfahrer in Athen auch ein noch höheres Gehalt, nämlich um die 75.000,- € und mehr. Leider kann ich nicht mit Gewissheit sagen, ob diese Gehälter Brutto- oder Nettogehälter sind – aber das dürfte in diesem Zusammenhang wohl auch keine Rolle mehr spielen.

    b) Lehrer erhalten je nach Anzahl der Arbeitsjahre unterschiedliche Gehälter. Ein Lehrer, der z.B. 10 Jahre gearbeitet hat, erhält ein Monatsgehalt in Höhe von 1.645,91 €. In diesem Betrag sind bereits 2 Standard-Zulagen enthalten. Dieses Gehalt wird 14x pro Jahr gezahlt. Es gibt weitere Zulagen, die wir aber nicht alle kennen und die auch nicht an jeden Lehrer gezahlt werden. Das Grundgehalt plus diese 2 Standardzulagen mal 14 ergibt 23.042,74 €. Von diesem Betrag wird in dieser Gehaltsstufe (10 Arbeitsjahre) jährlich ein Betrag von 2.476,18 € als Summe aller Sparmaßnahmen abgezogen. Daraus ergibt sich ein Monatsgehalt von 1.713,88 € (auf 12 Monate umgerechnet). Soweit es uns bekannt ist, sind alle Beträge Netto-Angaben. Das mag also zwar nicht viel sein, aber es ist allemal mehr als die angeblichen 800,- €, von denen uns gern im TV erzählt wird (auch bei den Brüsseler Statistika gab man stets nur die Grundgehälter ohne die 2 Standardzulagen an und erwähnte auch nicht, dass dieses Gehalt 14 mal pro Jahr gezahlt wird) und vor allem ist es nicht wenig für ein Land, dessen Kassen absolut leer sind.
    Nach 38 Jahren Arbeit erhält der Lehrer zusätzlich zu seiner Rente eine einmalige Zahlung von 67.387,- €. Diese Zahlung heißt Efapax. Geht er vor Ablauf von 38 Jahren in Rente, bekommt er anteilig weniger Efapax. Die Zahlung von Efapax ist übrigens z.Zt. nur ausgesetzt, nicht etwa gestrichen – man wartet offenbar auf entsprechenden Geldsegen aus der EU. Nur ganz neu eingestellte Lehrer bekommen keine Efapax mehr.
    Wenn Sie Näheres über die Gehälter der Lehrer wissen möchten, klicken Sie bitte auf http://www.doe.gr. Sie können sich den Inhalt der Seite ggfs. per Google übersetzen lassen.

    c) Angestellte der Gemeinden, z.B. Müllfahrer, Klempner u.a. Techniker erhalten von Ihrem staatlichen Arbeitgeber etwa 45.000,- € und mehr pro Jahr. Soweit es uns bekannt ist, sind dies Netto-Angaben. Über die Einstellungen dieser Leute entscheidet üblicherweise der Bürgermeister. Da der Familien- und Clanzusammenhalt in Griechenland sehr hoch ist, stellt der Bürgermeister also meist Leute aus seinem Umfeld ein.

    Es tut uns wirklich leid, dass wir Ihnen keine angenehmeren Angaben machen können.“

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